Ein Reisebericht von:

Text Elke Hoppe und Jörg Reinecke; Fotos (digital) Jörg Reinecke
copyright aller Bilder Jörg Reinecke , Nutzung nur mit ausdrücklicher Genehmigung!


Die Masai Mara im November,
eine Bewährungsprobe für unseren Toyota Landcruiser in Matsch und Schlamm
Eine Safari durch die Parks Nakuru, Masai Mara und Tsavo Ost



Die Monate flogen nur so an uns vorbei, jede Minute in Deutschland waren wir in Gedanken in Kenya. Nicht nur das wir im ständigen Kontakt zu Joachim und Yolanda vom Boko Boko waren, um auch ja jeden Schritt des Neuaufbaus mitzubekommen. Nein, auch für uns persönlich sollte es etwas Neues geben.

Wie man vermutlich schon aus den letzten Reiseberichten herauslesen konnte spekulierten wir schon länger mit einem zuverlässigen Ersatz für unseren zwar lieb gewonnenen aber unzuverlässigen Land Rover 109. So war dann auch das Jahr 2006 geprägt von der Idee und dann auch dem Kauf eines Toyota Landcruiser.

Genau 4 Wochen nach unserer letzten Safari in Kenya, flog ich Mitte November zurück nach Nairobi. Im September hatten wir uns einen Landcruiser von Sunworld Safari zum testen geliehen und waren mit dem Fahrzeug 4 Tage in der Masai Mara unterwegs( Reisebericht folgt). Petra war so begeistert, das wir das Fahrzeug am liebsten gleich mit zur Küste genommen hätten, aber David und Gaby wollten den Landcruiser noch bis zum Saisonende nutzen und außerdem sollten für uns noch ein paar kleinere Veränderungen vorgenommen werden.
So blieb uns damals nichts anderes übrig einen Linienflug zur Küste zu nehmen und bis November zu warten. (was mich eigentlich nicht wirklich störte, den so durfte oder musste ich nach wenigen Wochen in Old Germany, zurück nach Kenya)

Im Laufe des Jahres hatte ich Elke, die sich bei mir nach Safarimöglichkeiten erkundigte, via Internet kennen gelernt. Elke lebt seit vielen Jahren in Spanien und wollte mit ihrer Mutter zusammen etwas besonders erleben. Bei unseren Telefonaten merkte ich schnell, das sind Menschen, denen ich gerne persönlich "mein Afrika" zeigen würde. Und so plante ich für November nicht nur der Kauf des Landcruiser, sondern auch gleich eine weitere Safari.

Vermutlich gibt es viele Gründe die ich Verantwortlich machen könnte, auf jeden Fall Reisen wir zur Zeit schneller und öfter als ich schreiben kann, deshalb freue ich mich besonders, das Elke, die mit ihrer Mutter sozusagen die "Jungfernfahrt" unseres neuen (gebrauchten) Toyota Landcruiser erleben durfte ihre Safarierlebnisse in ihrem Tagebuch aufgeschrieben hat.



Aus dem Tagebuch von Elke Hoppe

18./19.11.06 Samstag-Sonntag

Jetzt endlich geht unser diesjähriges Abendteuer los. Am Samstag fliegen wir nach Zürich und von dort am nächsten Tag weiter nach Kenya/Nairobi. Der Flug ist angenehm und die Zeit vergeht rasch. Immer näher kommt die Landung in Nairobi. Und damit steigt die Spannung. Wird alles gut gehen? Werden wir abgeholt? Mit genug Warnungen hat man uns ja eingedeckt. So nach dem Motto: Ihr kennt den Typ doch gar nicht, wer weiß ob da überhaupt jemand kommt. Was wollt Ihr denn machen, wenn ihr mitten in der Nacht(Landung ist 19h) in "Nairobbery" steht und wißt nicht wohin?

Aber es klappt alles wunderbar, kaum stecke ich die Nase in die Ankunftshalle ruft mich jemand beim Namen - wie hat er mich erkannt? - und stellt sich als Dietmar vor! Er sagt Jörg sei vollkommen groggy von der Fahrt und wir können erst mal was essen gehen. Unterwegs zeigt und erklärt er uns was so rechts und links der Strasse liegt. In dem von uns besuchten Restaurant/Bar bekommen wir die erste Lektion in "Tischmanieren". Bevor wir essen bringt man uns eine Schale und einen Krug warmes Wasser zum Händewaschen. Denn auch wenn man für uns Besteck hingelegt hat, der Afrikaner ißt meistens mit der Hand. Wir probieren das auch mit unserem Ziegenfleisch. Geht wunderbar und schmeckt hervorragend. Dazu gibt es einen Tomaten-Paprika-Zwiebelsalat. Wie war das? Nichts essen was nicht geschält ist? Wir lassen uns alles schmecken und es bekommt uns wunderbar, so wie auf anderen Reisen auch!

Zuhause bei Dietmar lernen wir dann auch Jörg kennen. Schau an, er sieht wirklich so aus wie auf den Bildern seiner Webseite- (www.safari-wangu.de) in vollem Safarioutfit. Eine Weile sitzen wir noch zusammen, plaudern ein wenig und besprechen den nächsten Tag.

Montag 20.11.06

Gestärkt mit einem guten Frühstück machen wir uns auf den Weg. Zuerst die Vorräte auffüllen, nicht daß wir unterwegs verdursten. Also ab ins Einkaufzentrum in Karen. Fantastisch, hier bekommt man alles was das Herz begehrt. Ich kaufe eine Ersatzzahnbürste (hatte meine in der Aufregung vergessen), Wein und Wasser, jetzt kann ja eigentlich nichts mehr schief gehen. Von dort aus geht es in das Daphne Sheldrick Elefantenwaisenhaus. Zuerst verstehe ich nicht ganz warum des Waisenhaus nur eine Stunde am Tag geöffnet ist, aber nach der Erklärung vor Ort muß ich sagen: gut so! Denn die Elefanten sollen ja wieder ausgewildert werden und sich nicht unbedingt an große Menschenmengen und Streicheleinheiten gewöhnen. Wir sehen Elefantenbabys von 3 Wochen, sowie auch von einigen Monaten. Es erfordert viel Aufwand, Geduld und Tierliebe diese Babys ohne Mütter großzuziehen. Die Pfleger leben mit den Elefanten und sind für die Tiere Bezugspersonen. Es ist schwer zu glauben, aber ein Elefantenbaby ist sehr sonnenempfindlich und bekommt leicht einen Sonnenbrand. Deshalb wird ihm eine Decke übergelegt, in der Natur spendet die Mutter den Schatten mit ihrem Körper. Wir sind begeistert, der Besuch hat sich gelohnt.

Danach geht es dann nach Norden zum Nakuru - Park. Alleine schon die Fahrt ist ein Erlebnis und Abenteuer. Der ganze LKW-Verkehr vom Containerhafen in Mombasa in Richtung Uganda und Kongo fährt auf dieser Strecke. Und jetzt weiß ich auch was Jörg mit schlechten Strassen gemeint hat. Es ist nicht etwas holprig, uneben oder so was wie Aquaplaning- nein, nein- das nicht, so kann man sich das nicht vorstellen. Es ist eine teilweise geteerte Strecke mit Kratertrichtern, dann wieder eine Staubpiste. Und immer schön im Wechsel- so bleibt jeder Fahrer aufmerksam. Und falls man doch mal eine Sekunde nicht aufpaßt -Zack - poltert man durch ein Loch. Armes Auto! Wir und auch alle anderen Autos versuchen den schlimmsten Kratern auszuweichen, einfach zu umfahren. Daher bin ich zu der Ansicht gekommen, es wird in Kenya nicht links gefahren sondern eigentlich eher "links ausgewichen". Sieht schon beeindruckend aus, wenn so ein großer LKW näher und näher kommt. So gegen 16 kommen wir am Nakuru- Nationalpark an. Während Jörg am Tor die Formalitäten abwickelt bewachen wir das Auto- und zwar vor Affen. Sie schauen neugierig ob es wohl was zu fressen gibt. Nein- bei uns keine Chance. Sorry ! Nachher klaut noch einer meinen Koffer oder Ediths Brille.

Und jetzt geht es in unseren ersten Naturpark. Jörg klappt das Dach nach oben und wir können uns hinstellen und haben von oben einen fantastischen Ausblick. Trotzdem ist es Jörg, der immer wieder die Tiere zuerst sieht und zwar jede Menge. Da sind Zebras, Tommy- und Grantgazellen, Impala Antilopen, Wasserböcke, Kaffernbüffel, eine Straußenfamilie und Rotschildgiraffen mit hellen einfarbigen Beinen als würden sie Strümpfe tragen. Paviane turnen durch die Bäume mit ihren Jungen auf dem Rücken, eine ganze Familie. Besondere Attraktion für uns sind im Nakuru die Nashörner. Wir kommen auch ganz dicht ran und können sehen wie die eine Nashornkuh ihr Kalb stillt. Erstaunlich ist auch wie beweglich die Tiere trotz ihrer Masse sind. Es handelt sich hier um eine Herde Breitmaulnashörner. Jörg erklärt uns wie man den Unterschied zwischen Breitmaulnashorn und Spitzmaulnashorn sieht. Aber das Spitzmaulnashorn ist sehr selten, ein Einzelgänger und sehr scheu. Ich habe den Eindruck es ist sehr unwahrscheinlich, daß wir eins zu sehen bekommen. Aber dann doch- und ich habe es entdeckt! Zuerst war ich mir nicht sicher ob es vielleicht doch nur ein Stein ist, aber Jörg meinte, Steine würden nicht mit den Ohren wackeln. Und er behielt ja recht. Wir konnten es zwar nur aus weiterer Ferne beobachten, aber den Unterschied zu den Breitmaulnashörnern war durch das Fernglas zu erkennen. Eigentlich zu weit für ein gutes Foto, aber ich machte dann doch ein Bild von dem Busch hinter dem es sich versteckt hatte- ich weiß ja wer hinter dem Gebüsch steht.

Dann noch einen Abstecher runter zum See, der durch seine vielen Flamingos bekannt ist. Noch interessanter als die Flamingos sind jedoch 2 Minibusse die zu nahe ans Seeufer gefahren und steckengeblieben sind. Die Touristen stehen ratlos herum, die Fahrer auch. Jörg will versuchen ob er die Minibusse mit dem Landcruiser rausziehen kann. Unmöglich!! Wir würden uns selber festfahren, der Untergrund ist einfach zu matschig. Gegen ein ganz klein wenig Schadenfreude kann ich mich leider nicht wehren- besser die als wir.

Ganz schnell ist es auf einmal 18h und wir müssen uns nach einer Unterkunft für die Nacht umsehen. Wir nehmen ein anderes "Gate" als bei der Einfahrt, von dort geht eine Strasse direkt nach Nakuru, wo wir uns eine Unterkunft suchen wollen. Tja- Strasse? Ich mache mir Sorgen um den armen Land Cruiser- soll ein Auto wirklich so etwas durchhalten? Und als es dann dunkel wird kann Jörg nicht mal die Trichter in der Strasse richtig erkennen. Und nicht nur die Trichter sind schwer zu erkennen - auch die Radfahrer, Fußgänger, teilweise auch Matatus und andere Fahrzeuge muß man erahnen. Gibt es eigentlich Radar für Autos? So wie in der Schifffahrt? Vielleicht hat Jörg so etwas ja schon, denn nach einer Weile sind wir dann im Hotel.

Wir laden unsere Koffer aus und gehen erst mal etwas essen. Ich möchte unbedingt etwas afrikanisches haben. Also nehme ich afrikanisch gewürztes Huhn in Soße und dazu Ugali. Schmeckt gut! Allerdings- wenn ich mir so Jörg sein Steak mit den Fritten anschaue - aber das gebe ich jetzt natürlich nicht zu!!! Als Nachtisch gibt es noch einen Drink in der Bar und Jörg beauftragt vor dem Schlafengehen die Rezeption uns um 6h zu wecken. Wir haben ja auch morgen wieder eine lange Fahrstrecke vor uns.



Dienstag 21.11.06

Ich schlafe gut und ruhig und mit der Sicherheit pünktlich wach zu werden, denn ich habe zusätzlich noch mein Handy auf 5:45h gestellt. Sicherheitshalber! Geweckt werde ich jedoch vom Telefon- nicht von meinem Handy. Nanu !? Ist die Batterie leer oder was? Ich versuche etwas auf dem Handydisplay zu erkennen und schaue zur Kontrolle auch auf meiner Uhr. Verflixt- wo ist denn meine Brille? Ich strecke meinen Arm aus so weit es geht und versuche die Uhrzeit zu entziffern. Ja- sieht so wie 6h aus. Aber warum klingelt mein Handy nicht? Egal, erst mal beeilen- wir wollen nicht zu spät kommen. Als Edith und ich fast fertig sind finde ich mein Brille- setze sie auf meine Nase- schaue auf die Uhr- 5:30h!!! Na gut, hat sich die Rezeption wohl um eine Stunde vertan. Wir legen uns einfach so noch mal aufs Bett und dösen ein wenig. Inzwischen war wohl Schichtwechsel an der Rezeption. Wir werden noch einmal geweckt- um 5:45h und dann zur Sicherheit noch mal um 5:50h und um die Sache abzurunden noch mal um 6h. Später hören wir von Jörg, daß er gar nicht geweckt wurde. Aber irgendwo muß der Ausgleich ja sein.

Gegen 8h fahren wir dann los über das Riff Valley Richtung Massai Mara. Im Riff Valley, auch afrikanischer Graben genannt, ist sehr gut der Einbruch zu erkennen. Die Berghänge sind am Horizont zu sehen und wir fahren durch das Tal, bzw. den Graben. In den Ortschaften beeindrucken mich fantasievolle Namen wie "Mountain View Hotel", bei genauerem Hinschauen entpuppt es sich als ein Verkaufskiosk, Losbude oder auch einfach eine Bar. Es gibt in einem Ort auch einen "Country Club", keine Ahnung was sich dahinter verbirgt.
In einigen Städten sind kleinere Hotels, dort stehen LKWs die wohl eine Pause brauchen. Außerhalb der Ortschaften sehen wir immer wieder unterschiedliches Wild. Da gibt es Zebras, beinahe am Straßenrand, und eine Herde Giraffen die am Horizont entlang zieht.

Gegen Mittag sind wir in Narok, die einzige größere Stadt auf dem Weg in die Massai Mara. Dort tanken wir auf und Jörg läßt mal nachsehen ob der Landcruiser die bisherige Holperstrecke gut überstanden hat. Leider nicht so ganz- er verliert Kühlwasser. Wir haben hier also einen Aufenthalt und nutzen den um etwas Obst zu kaufen, eine Kleinigkeit zu essen und die ersten Ansichtskarten zu schreiben. Jörg bleibt während der Reparaturarbeiten am Auto falls der Mechaniker zum Schluß nicht mehr so ganz weiß, wo die vielen Schrauben nun hingehören. Ist doch eigentlich nicht so schlimm wenn ein paar Schrauben übrigbleiben, vor allem nicht, wenn im Moment ja alles zusammenhält. Oder???

Obwohl wir ein Ersatzteil brauchen geht es nach einer relativ kurzen Zeit weiter. Irgendwann hört auch die asphaltierte Strecke auf und Jörg zeigt uns Baumschäden, die von Elefanten verursacht wurden. Wow- wir sind jetzt wirklich ganz in der Nähe von wildlebenden Elefanten!
Auf der Strecke zum Naturpark kommen wir auch an Massai Dörfern und ihren Rinderherden vorbei. Die Massai erkennt man von weitem an ihrer großen schlanken Gestalt und an den roten Tüchern. Es wirkt alles sehr traditionell, so wie man sich Afrika vorstellt und öfters in Dokumentarfilmen sieht.

Gegen 16 h sind wir dann im Fig Tree Camp, Jörg kümmert sich um unsere Unterkunft und sofort geht es- noch mit den Koffern im Auto- los, um die verbliebene Zeit bis zur Dunkelheit für eine Pirschfahrt zu nutzen. Und es ist unglaublich wieviel Tiere man in 2 Stunden sehen kann. Giraffen mit ihren Jungen, eines wird gerade von der Mutter gesäugt. Kleine zierliche Thomson-Gazellen mit dem dunklen Streifen am Körper und die etwas größeren Impalas. Und meinen und Ediths ersten frei lebenden Löwen !! Es ist eine Löwin und sie sitzt ganz ruhig da, beachtet uns gar nicht. Aber dann bietet sie uns eine akustische Attraktion- sie "ruft" nach ihren "Gefährten". Was sie wohl rufen mag? Vielleicht zum Abendessen? - Ist die Autotür auch richtig zu? Leider vergeht die Zeit viel zu schnell aber auf der Rückfahrt ins Camp sehen wir noch eine Tüpfelhyäne und einen Schabrackenschakal. Beide ganz in der Nähe der Giraffen, was die aber nicht zu stören scheint. Das Tageslicht verschwindet sehr schnell, es ist schon dunkel als wir im Camp ankommen.

Unsere Zelte liegen sehr schön mit "Terrasse" und Blick auf ein ausgetrocknetes Flußbett. Nach einem langen und ereignisreichen Tag genießen wir die ausgiebige Dusche und beim Abendessen beschließen wir noch den Verlauf des morgigen Vormittags: 6h wecken- 6:30h Pirschfahrt- 9h Frühstück- erst mal nur bis dahin.



Mittwoch 22.11.06

Wir treffen uns wie verabredet und können direkt bei Tagesanbruch aufbrechen. Der Himmel ist bedeckt, es sieht nach Regen aus. Es geht wieder an den Giraffen vorbei- ob unsere Löwin denn noch da ist und wir sie noch mal sehen können? Nun, das nicht- aber dafür ein Löwenpaar! Die beiden sind in den Flitterwochen und das, wie wir von Jörg hören, schon seit 2 Monaten. In dieser Zeit sondern sich die beiden vom Rudel ab und sind vorwiegend mit Paarung beschäftigt. Der "Herr" wirkt schon etwas älter, seine Nase sieht irgendwie aus als habe sie schon einige Kratzer abbekommen. Aber er liegt da - ganz stolzer "König der Tiere" mit einer dunklen bis hellbraunen Mähne. Da Jörg sagte die beiden würden sich sicherlich in kürze paaren warten wir natürlich ab. Vielleicht gelingt mir ja sogar ein guter Schnappschuß mit der Kamera. Und dann ist es tatsächlich so weit- die Löwin steht auf, er auch, ich greife nach meinem Foto, suche das "Objekt" auf dem Display - und schon ist das Schauspiel vorbei. Schneller als ich knipsen konnte! Na ja, das war wirklich flink. Erklärt aber warum die beiden schon 2 Monate Flitterwochen machen.

Wir fahren weiter und erleben eine Tierwelt und weite Landschaft die man sich fast nicht vorstellen kann. Die Wolken werden immer dunkler, teilweise können wir es in einigen Kilometern Entfernung regnen sehen. Und um uns herum jede menge Zebras, Impalas, Grant-Gazellen und Tommy-Gazellen. Dann kommen die ersten Gnu Herden und die Menge der Tiere ist für Edith und mich beeindruckend. Es gibt so viel zu sehen, daß wir fast die Zeit und damit auch das Frühstück verpaßt hätten. Wir schaffen es gerade noch in letzter Minute eine Omelette zu bekommen, nicht daß unser Magen sich anhört wie gestern die Löwin. So- und dann können wir uns gestärkt wieder auf die Pirsch begeben.
Und der Tag geht so weiter wie er angefangen hat- ein "Highlight" nach dem anderen. Eine Herde Elefanten, ein ca. 3 Wochen altes Baby ist mit dabei und läuft im Schatten der Elefantenkuh. Wir können mit dem Auto erstaunlich nahe an die Tiere ran fahren, ohne daß sie uns beachten oder sich gestört fühlen. An einer anderen Stelle entdecken wir Löwen, es sind 2 Löwinnen mit Jungtieren. Direkt daneben liegt ihre Beute - ein Gnu - die sie vermutlich letzte Nacht gerissen haben. Eine Weile später entdecken wir, daß es nicht nur ein Beutetier gibt, sondern insgesamt drei. Ein wenig ungewöhnlich, aber Jörg erklärt uns, daß sie vermutlich den Jungtieren das Jagen beibringen. Das ist sicher gut möglich, die drei haben wohl jetzt gerade so das Teenageralter. Eine weitere Löwenfamilie finden wir mit dem Rest ihrer Beute unter einem Baum, sie liegen da und halten ein Verdauungsschläfchen.

Und wir bekommen noch eine weitere Raubkatze zu sehen- einen Leopard. Er hat sich in einen sehr dicht bewachsenen Baum gelegt. Wir sehen auch erst nach genauem Hinschauen die Schwanzspitze und dann erkennen wir einen Teil des Körpers. Also warten wir- wie es auf einer Pirsch eben so ist. Irgendwann wird er sich doch mal bewegen!? Wer ist hier Katze und wer Maus? Auf jeden Fall hat er uns bemerkt, inzwischen können wir sein Gesicht sehen. Ein fantastisches Tier mit faszinierenden Augen. Und dann wird unser Warten belohnt: ein Fauchen- ein Sprung- es geht wahnsinnig schnell- und unser Leopard ist aus dem Baum verschwunden, durch die Büsche gehuscht- und weg ist er. Na gut- Jörg hat ein ganz klein wenig nachgeholfen.
Als wir versuchen den Leopard wieder zu finden entdecken wir seine "Vorratskammer". Hoch oben auf einen Baum in eine Astgabel hat er ein Impala geschleppt. Dort ist es sicher vor Hyänen und er kann noch einige Tage davon fressen. Und genau unter diesem Baum finden wir ihn auch einige Zeit später wieder. Wir lassen ihn erst mal alleine, so lange seine Verpflegung dort oben hängt werden wir ihn auch wieder finden.

Einige Kilometer weiter liegen Schakale im Gebüsch, Hyänen suhlen sich mitten auf der Piste im Schlamm. Aber es gibt nicht nur große Tiere zu sehen. Besonders freuen wir uns alle über eine Leopardschildkröte. Wir können sogar aussteigen, das aufgeregte Tier anfassen und fotografieren. Die Schildkröte zeigt nicht sehr viel Begeisterung und ist froh als das Foto-Shooting endlich wieder vorbei ist. Einem weiteren seltenen Bewohner der Massai Mara begegnen wir am Nachmittag- einem Sattelstorch. Selbst für Jörg ist es das erste Mal, dass er diesen Vogel mit dem wunderschönen bunten Schnabel in Freiheit sieht.

Und immer wieder fasziniert uns die Menge und Vielzahl der Tiere. Aber auch die Landschaft. Gestern war noch alles trocken, das Gras braun. Und jetzt, keine 24 Stunden später, erkennt man schon das erste, noch recht spärliche Grün. Es ist, als können man das Gras wachsen sehen. Durch den Regen verändert sich der gesamte Busch. Es regnet natürlich nicht die ganze Zeit, aber regelmassige heftige Schauer. Durch die Weite des Landes können wir die dunklen Wolken von weitem kommen sehen und versuchen ihnen auszuweichen.

Immer zu begegnen uns riesige Tierherden in denen sich Gnus und Zebras befinden. Wir hoffen eine dieser Herden beim überqueren des Flusses beobachten zu können. Aber keines der Tiere kann sich entscheiden, keine Stelle ist genehm, also bleibt die ganze Herde wo sie ist. Kann ich verstehen, vor allem da wir im Laufe des Tages auch ein Krokodil gesehen haben. Das allerdings nur von weitem mit dem Fernglas.

Der Tag vergeht viel zu schnell. Auf unserem Heimweg zum Camp fahren wir nochmals um nach unserem Leopard zu sehen. Er hat sich wieder in seinen Baum verzogen, es muss sein Lieblingsplatz sein. Jetzt klappern wir natürlich nicht mit der Autotür! Trotzdem- irgendwie scheinen wir ihn zu stören. Aber vielleicht ist es ja nur Edith ihr Fauchen? Hat wirklich sie damit angefangen? Sie faucht ihn an- der Leopard faucht zurück- sie faucht- der Leopard faucht- sie faucht- und so geht das Zwiegespräch hin und her. Aber das gibt uns Gelegenheit seine beeindruckenden Reißzähne zu bestaunen. Und wann kann man sich schon mal mit einem Leopard unterhalten oder auch zuhören? Aber dann hat sich Edith wohl im Ton vergriffen - er wird richtig ärgerlich. Edith -was hast Du gesagt? Er springt mit einem Satz aus seinem Baum, faucht in unsere Richtung und - weg ist er.

Wir suchen heute nicht mehr, es ist schon zu spät. Eine Regel in den Naturparks lautet: Pirschfahrten nur in der Zeit von 6:30 h bis 18:30h. Eine andere Regel: nicht die Tiere stören, weder durch Tür klappern noch durch fauchen. Also, wir wollen doch wenigstens pünktlich sein! Vor dem Abendessen treffen wir uns in der Camp-Bar. Dort etwas zu trinken ist an diesem Abend gar nicht so einfach. Durch den Regen sind vermehrt Insekten geschlüpft und es wimmelt von- was ist das eigentlich? Hunderte und mehr - sie sehen aus wie Termiten mit langen durchsichtigen Flügeln. Was auch immer es sein mag- sie mögen Whisky-Cola. Und vorsichtig einatmen- und aufpassen beim trinken! Nur nicht einen Moment den Deckel vom Glas lassen. Obwohl- durch ihre Größe kann man sie ganz gut wieder rausfischen. Also doch nicht so schlimm. Zumindest kann ich sie im Glas gut erkennen was später bei Jörgs Zwiebelsuppe nicht so war. Die gedünsteten Flügelchen und die gedünsteten Zwiebelringe- wirklich zum verwechseln ähnlich. Wir beschließen morgen früh um halb sieben erst zu frühstücken und uns danach zur Pirschfahrt aufzumachen.



Donnerstag, 23.11.06

Der nächste Morgen ist recht bewölkt, es hat die Nacht über stark geregnet und nieselt immer noch leicht vor sich hin. Ich werfe einen Blick in das "ausgetrocknete Flussbett" und kann kaum fassen was ich da sehe. Ein Fluss- und das mit einer enorm starken Strömung. Innerhalb einiger Stunden so viel Wasser!

Nach unserem Frühstück geht es los- wir haben fast schon das Gefühl uns auszukennen. Wir besuchen unsere Löwen und schauen wie viel sie von ihrer Beute noch übrig haben. Um das Gnu schwirren inzwischen jede Menge kleiner Fliegen, es ist wie eine Wolke. Die drei Halbwüchsigen können wir noch bei ihrem Frühstück beobachten. Dann wollen wir nachsehen wie es dem Leopard geht. Ob er wohl seine Jagdbeute noch sicher im Baum hat? Ja, er hat!

Aber es gibt schon wieder etwas Neues zu sehen. Hyänen die ihre eigene Beute gerissen haben. Denn Hyänen sind zwar Aasfresser, aber sie gehen auch häufig selbst auf die Jagd. Da geht es entschieden lauter und lebhafter zu als bei den Löwen. Die Rangordnung muss ja eingehalten werden und wird mit schimpfenden, keifenden und bellenden Lauten verteidigt. Die Chefin des Rudels ist anscheinend nicht zimperlich wenn es darum geht ihre Position zu halten, denn die anderen bleiben immer außerhalb ihrer "Reichweite". Sie selbst frisst mit gutem Appetit und wir sind beeindruckt von der Kraft ihres Kiefers und Gebisses. Es ist fast unglaublich wie sie die Knochen zerbeißt. Wir können es nicht nur sehen, sondern auch sehr laut hören. Schakale sind für sie dagegen akzeptabel, sie machen ihr ja auch keine Konkurrenz. Also dürfen die beiden anwesenden Schabrackenschakale hin und wieder, wenn auch mit gebührender Vorsicht und Respekt, ein Bröckchen mitessen. Der eine der beiden wird dabei immer kesser- und dann erwischt er auf einmal die ganze Leber. Das geht dann aber doch zu weit! Er versucht zwar noch mit seinem Leckerbissen heimlich wegzulaufen- aber zu spät. Die Hyänen rennen mit lautem Protest hinter ihm her und der viel kleinere Schakal ist klug genug um auf diese Mahlzeit zu verzichten. Er traut sich auch nicht wieder in die Nähe- ob Hyänen wohl nachtragend sind?

Irgendwann treffen noch andere hungrige Gäste ein. Es handelt sich dabei um Geier und einen Marabu, letzterer schreitet fast schulmeisterlich hin und her- und schwupp- ganz schnell hat er wieder ein Stückchen erwischt. Fast klammheimlich! Die Geier hingegen gehen die Sache wesentlich direkter an und jeder verteidigt seinen Platz mit lautstarkem Gezeter und Flügelschlagen. Auch hier scheint eine klare Hirachie zu herrschen- der größere und stärkere hat Recht und Rechte. Da so langsam die Mahlzeit für die meisten hier beendet ist, fahren auch wir wieder ein Stück weiter. Es geht wie schon gestern durch die einmalige Landschaft Afrikas mit ihrem Tierreichtum. Wir können uns gar nicht daran satt sehen. Inzwischen ist es Mittag, aber durch die Bewölkung und die wiederholten Regenschauer haben die Tiere keine Veranlassung sich unbeweglich im Schatten einer Akazie aufzuhalten. Dadurch können wir den ganzen Tag nutzen, haben immer viel zu sehen und auch uns wird es nicht zu heiß.




Aber Jörg hat, wie eigentlich jeden Tag, noch etwas Besonderes für uns. Wir halten an einem Flussufer und nachdem sich Jörg vergewissert hat, dass heute hier kein Krokodiltreffen oder ähnliches stattfindet dürfen wir aussteigen. Das Flussbett liegt etwas tiefer und als wir hinab schauen sind wir mal wieder total begeistert. Das Wasser ist voller Flusspferde! Und dank dem Wetter sind die Hippos nicht untergetaucht, sondern tummeln sich voller Lebensfreude wie in einem Swimmingpool. Das ist eine richtige Planscherei. Und in all dem Schwimmbad-Ambiente finden sich zwei zur Paarung. Die Kollegen sind sehr rücksichtsvoll- sie hören mit dem schwimmen und sich um die eigene Achse drehen auf, als ob sie nicht stören möchten. Aber möglicherweise ist es auch Neugierde- denn sie bilden einen Halbkreis und schauen zu. Na so was- Spanner! Danach geht es mit dem fröhlichen baden weiter, das frischgebackene Pärchen kabbelt sich noch eine Weile. Wir können von unserer erhöhten Sicht direkt in die Mäuler schauen und diese riesigen Zähne bestaunen.



Wir fahren weiter ein kleines Stück flussaufwärts, denn es gibt ja noch mehr Bewohner des Flusses. Hier geht es allerdings viel ruhiger zu. Krokodile liegen unbeweglich im Wasser und man muss schon ganz genau hinsehen um zu erkennen, dass es sich nicht nur um einen Baumstamm handelt.
Aber dann ist doch wieder Bewegung da. Eine Löwin geht am Ufer entlang und schaut immer wieder ins Wasser. Was sie wohl sieht? Und wieso ist sie dort alleine? Na, nichts wie hinfahren und mal nachschauen! Sie schleicht jetzt auf einem liegenden Baumstamm entlang, bleibt stehen, schleicht weiter. Und immer den Blick in den Fluss- irgendetwas weckt dort ihr Interesse. Wir erfahren zwar nicht was ihre Aufmerksamkeit beansprucht, aber sie ist absolut nicht alleine. Einige Meter weiter liegt der Rest der Familie mit vollem Magen und hält Siesta. Gar nicht weit von unseren fröhlichen Hippos entfernt, wo wir so fröhlich am Ufer aus dem Auto ausgestiegen sind.
Und dort fahren wir auch noch einmal vorbei- noch ein Abschiedsblick aus der Autodachluke -und dann muss Jörg diese ganz schnell schließen. Denn inzwischen sind dunkle, schwere Wolken aufgezogen und es regnet in Strömen. Also schnell anhalten, Dach zu, Jörg fährt wieder an - und dann gibt es einen Ruck und wir stecken fest! Die Räder drehen durch - der Wagen steht! Ein Loch - entweder stammt es von einem Warzenschwein oder einem Erdferkel. Aber egal wessen unterirdische Wohnung das war, der Reifen ist bis zur Hälfte darin verschwunden. Mit Motorkraft alleine ist da nichts zu machen, also versucht Jörg uns mit einem Spaten auszugraben. Und es regnet in Strömen! Kalt und nass! Da durch den starken Regen auch sehr schlechte Sicht herrscht sind meine Gedanken bei den Löwen. Sie werden doch hoffentlich weiterschlafen? Und die Hippos- ich habe vorhin genau die ausgetretenen Spuren vom Fluss hier hoch gesehen. Da wird doch keins auf die Idee kommen und einen Spaziergang machen? Jörgs Versuche des Ausgrabens scheitern, was jedoch möglicherweise auch ein klein wenig am Spaten liegt. Denn der sieht aus, als stamme er noch aus der Kolonialzeit. Und jetzt? Jetzt müssen wir warten bis uns ein anderes Auto findet und rauszieht. Es ist drei Uhr mittags, die meisten Pirsch - Fahrten beginnen gegen 16h. Edith hat so ihre Zweifel, ob bei solchen Wetter überhaupt irgendwer auf Pirsch fährt. Aber Jörg und ich sind optimistisch- wir würden uns ja schließlich auch nicht vom Regen abhalten lassen. Und tatsächlich- so ca. eine Stunde später taucht ein Jeep am Horizont auf. Schnell, schnell- meine rote Jacke! Wir winken wie Schiffbrüchige auf einer einsamen Insel- und dann gibt der Rettungsjeep Lichtzeichen - er hat uns also gesehen. Abschleppseil? Nein hat er leider nicht- aber er schickt uns einen seiner Kollegen- der bringt dann ein Seil mit. Tatsächlich, nach kurzer Zeit kommt ein zweiter Jeep - mit Seil. Der Boden ist allerdings inzwischen so aufgeweicht, dass sich die "Rettung" als recht schwierig erweist. Jörg und unser Helfer haben schwer im strömenden Regen zu arbeiten, Edith und ich sitzen im trocken. Wir bieten aber tapfer an auszusteigen- dann hat das Auto vielleicht etwas weniger Gewicht? Gott sei Dank- unser Angebot wird abgelehnt. Und was machen die Fahrgäste im "Rettungsjeep"? Sie fotografieren uns! Ob sie das genauso interessant finden wie ich die 2 stecken gebliebenen Minibusse im Nakurupark?

Aber Hauptsache wir sind wieder "frei" und können uns auf den Rückweg zum Camp machen. Vor allem Jörg hat das Bedürfnis nach einer heißen Dusche und einem trockenem Hemd. Tja, und dann schaffen wir es doch nicht so einfach an allem Schönen vorbeizufahren. Da sind noch mal die Löwen mit ihren Jungen, nur einen kleinen Moment beobachten. Und wie nichts ist auf einmal die Dämmerung nahe und das Hemd fast trocken.
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Jetzt aber flink zurück. Den kürzesten Weg können wir leider nicht nehmen, der Boden ist durch den Regen zu aufgeweicht. Also sucht Jörg eine halbwegs feste Piste; diese führt uns kurzfristig aus dem Naturpark hinaus an Massaidörfern vorbei. Ich sehe schon das Schild: Fig Tree Camp 2 km- wir sind fast da. Nur noch den Hügel hinauf, Jörg macht das mit Schwung. Anscheinend ein klein wenig zuviel Schwung - das Auto rutscht mit den Hinterreifen in den Graben. Er versucht es vorwärts, dann rückwärts und wieder vorwärts. Aber die Gefahr sich noch weiter festzufahren ist zu groß. Und es ist nur noch 20 Minuten hell! Ob jetzt noch jemand kommt? Wir haben Glück- gleich 2 Wagen sind genauso spät wie wir. Und dann sind wir noch mal Fotoobjekt - na ja, die müssen ja auch was zum erzählen haben wenn sie wieder zu Hause sind.

Kurz danach sind wir im Camp, immer noch bei strömendem Regen. Alle drei freuen wir uns auf die warme Dusche und Jörg auf trockene Kleidung. Als wir uns später zum Abendessen treffen ist Jörg schon mit einem Apperetiv an der Bar. Er meint, er müsse "sich seine Wunden lecken" da wir an einem Tag 2mal feststeckten. Also meine Meinung: bei der Piste, dem vielen Matsch, Regen und Erdlöchern ist 2mal ein guter Schnitt, wer weiß wie oft andere heute festsaßen. Abends bin ich ein wenig in Abschiedsstimmung, da wir morgen die Massai Mara verlassen wollen. Schließlich soll unsere Safari ja weitergehen, wir wollen ja noch mehr von Kenias Naturparks sehen. Geplant war auch ein Besuch im Amboselli, aber auf Grund des Dauerregens und dadurch bedingten noch schlechteren Strassen beschließen wir unsere Pläne zu ändern. Wenn die Pisten halbwegs benutzbar sind wollen wir morgen früh noch eine Pirschfahrt machen, danach geht es dann nach Nairobi und von dort direkt nach Tsavo-Ost. Der Ambosellipark muss bis zu unserer nächsten Reise nach Kenia warten.

Freitag 24.11.06

Wir werden wie jeden Tag um 6 h mit einem fröhlichen "Jambo" Ruf geweckt. Unklar ist mir jedoch: machen wir jetzt eine Pirschfahrt oder nicht? Woher soll ich wissen wie die Piste ist? Also packen wir sicherheitshalber schon mal unsere Koffer und lassen sie gleich mit zum Auto bringen. Aber-Hurra- es geht doch noch mal auf eine Abschieds-Pirschfahrt. Die Koffer werden zurück zum Zelt getragen und wir drei "pirschen" im Landcruiser los. Dabei schauen wir noch mal nach all den Tieren, die wir die letzten Tage beobachten konnten. "Unsere" Löwen, "unser" Leopard und "unsere" Hyänen.

Zurück im Camp nehmen wir noch ein ausgiebiges Frühstück, so sind wir für die lange und anstrengende Fahrt nach Nairobi gestärkt. Denn wir haben einige Kilometer Piste vor uns, bis wir auf asphaltierte Strasse kommen und die Gefahr des Steckenbleibens bei Nässe und Matsch haben wir ja bereits kennen gelernt. Na ja, und auch bei der asphaltierten Strasse wissen wir noch nicht was uns so erwartet. Denn die kleineren und größeren Krater auf Kenias Strassen sind bei dem Wetter sicher auch nicht besser geworden.

Und tatsächlich, wir sind noch nicht lange unterwegs treffen wir schon auf die ersten gestrandeten Fahrzeuge. Ein Minibus, dem können wir helfen und ihn rausziehen. Dann ein LKW- nein, da ist beim besten Willen nichts zu machen. Wir fahren im weiten Bogen um ihn herum, denn bei seinen Versuchen sich frei zu fahren hat er den ganzen modderigen Boden aufgewühlt. Uns entgegenkommende Fahrer aus Nairobi informieren uns über den Zustand der Strasse. Die Meinungen weichen zwar etwas voneinander ab- aber in einem sind sich alle einig: sehr viel Regen, viel Wasser und sehr nass. Und das stimmt 100%ig! Aus trockenen Bachbetten sind reißende Gewässer geworden. Das Wasser fließt rechts und links der Strasse wie kleine Flüsse und an der Böschung sind im Abstand von einigen Metern richtige Wasserfälle. Die Sicht ist teilweise sehr schlecht durch den dicht fallenden Regen, aber Jörg bleibt ruhig und gelassen und bringt uns sicher bis Nairobi.

Hier sind wir wieder in der Hektik einer Großstadt. Nairobis Autoverkehr wirkt ein wenig ungeordnet - wozu wurden hier eigentlich die Ampeln überhaupt aufgestellt? Die Vorfahrtsregelung klappt doch auch mit hupen! Auf der Kenyatta Avenue stehen Verkäufer und bieten Dinge wie Zeitschriften oder Sonnenbrillen an. Ich bin erstaunt- es gibt den Focus und den Spiegel auf deutsch sowie ähnliche Zeitschriften in fast allen Sprachen. Allerdings macht Jörg mich darauf aufmerksam, dass es sich meistens nicht um die neueste Ausgabe handelt. Trotz der langen und anstrengenden Fahrt macht Jörg noch einen Umweg zu einem schönen Aussichtspunkt auf die Stadt. Das Panorama ist schön - man kann von hier aus gut erkennen, dass Nairobi neben seinen Wolkenkratzern auch sehr viele Grünanlagen hat.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit kommen wir im Hotel Fairview an. Es handelt sich um ein ehemaliges Farmhaus, welches zu einem Hotel umgebaut wurde. Eine ruhige Oase mitten in der Stadt. Wir genießen das große Zimmer und die geräumige Dusche und ich wühle in meinem Koffer: Hatte ich nicht noch eine etwas elegantere Hose und die Seidenbluse aus Thailand eingepackt? Gott sei Dank- da ist sie ja! Und was für ein Glück- ich hatte beim Packen sogar an passende Schuhe gedacht.
Das Abendessen lassen wir uns am Pool schmecken, danach trinken wir eine Flasche Wein um den Abend abzurunden und genießen das Ambiente des Hotels. Wir haben heute Vollmond und der Mond spiegelt sich im Wasser des Pools. Die Temperatur ist allerdings recht frisch und wir sind froh ein Becken mit beheizten Steinen neben unserem Tisch stehen zu haben. Nairobi liegt in einer Höhe von 1.800 m und nachts kühlt sich die Luft empfindlich ab, zumindest im Winter (ca. 18 C). Ich bin meinen beiden nicht rauchenden Reisegefährten sehr dankbar, dass sie mir (Raucher) zuliebe am Pool bleiben und frösteln. Denn in Kenia ist das Rauchen in öffentlichen Gebäuden, Restaurants etc. verboten, wie ja inzwischen auch in den meisten europäischen Ländern. Wir planen am nächsten Tag etwas später zu frühstücken und dann in aller Ruhe zum Tsavo-Ost Nationalpark zu fahren.


Fairview damals


Samstag, 24.11.06

Nach einem reichhaltigen Frühstücksbuffet wollen wir uns auf den Weg machen. Aber wir sind noch in Nairobi als Jörg das Gefühl hat, dass mit dem Auto irgendwas nicht stimmt. Vielleicht zu wenig Luft? Oder eine fehlende Unterbodenwäsche? Wir fahren an eine Tankstelle und lassen den Jeep mal von unten reinigen. Es ist nicht zu fassen wie viel Erde unter einem Landcruiser Platz hat. Ich habe den Eindruck, wir haben die halbe Massai Mara mitgenommen. Der Autowäscher hat lange zu arbeiten um die angetrocknete Erde-Matsch-Masse abzuspritzen. Anschließend steht unser Fahrzeug wieder in neuem Glanz da - und um einige Kilogramm leichter.

Beim Verlassen von Nairobi kommen wir am Flughafen vorbei- kaum zu fassen, es ist noch nicht mal eine Woche her seit wir hier gelandet sind. Wir haben inzwischen so vieles erlebt, dass es mir viel länger scheint.

Die Strasse von Nairobi nach Mombasa ähnelt den anderen Strassen Kenias die wir inzwischen gefahren sind. Nur herrscht hier ein wenig mehr Verkehr, denn diese Strasse verbindet die beiden größten Städte Kenias. Viele Matatus und auch etwas größere Linienbusse, überfüllt und eilig. Dazu LKWs, Jeeps und hin und wieder ein "normales" Auto. Wie lange so ein Auto hier wohl hält? Sehr oft sieht man auch Fahrzeuge, die mit einer Panne am Straßenrand stehen. Die ersten Tage dachte ich: der hat ja Gemüse geladen und dann auf der Straße verloren. Das ist aber falsch! Es handelt sich hierbei um das "Warndreieck". Mangels eines gelben Dreiecks aus Plastik nimmt man hier Zweige und legt sie als Dreieck auf dem Boden aus. Ist ja auch o.k.- wenn mans dann mal weiß!

Je weiter wir fahren um so mehr ändert sich die Vegetation und das Klima. Wir haben jetzt die Höhe von Nairobi verlassen und es wird immer wärmer. Inzwischen verläuft die Strasse schon durch den Tsavo- Ost, der Park hat eine Größe von ca. 21.000 km2. Um in den Park zu kommen fahren wir durch die Stadt Voi, Jörg möchte auch gerne noch mal tanken. Aber Pech- Diesel ist zurzeit ausverkauft. Da der Landcruiser jedoch mit zwei Tanks ausgestattet ist, haben wir damit kein Problem. In Voi bestehen einige Hotels, auch hier mit Namen die mehr versprechen als sie halten. So z.B. hätte ich mir das "Voi Park Hotel" nicht nur anders, sondern auch an einem anderen Platz vorgestellt- nämlich im Park und nicht zwischen dem Dorfplatz und dem Eisenbahngleis. Kurz hinter Voi ist auch schon an die Einfahrt zum Nationalpark und von dort dauert es nur kurze Zeit bis wir im Tahi-Camp sind. Das Camp liegt fast etwas versteckt, es ist in der Landschaft kaum wahrzunehmen. Edith und ich dürfen wählen- ein kleines nettes Zelt oder das große Suite-Zelt. Na - was haben wir wohl gemacht? Richtig! Das Suite Zelt mit Ventilator und Kühlschrank. Hier kann ich jetzt auch den zu Beginn der Reise gekauften Weißwein kühlen!



Da wir um die Mittagszeit ankommen gehen wir eine Kleinigkeit essen, danach machen wir erst einmal eine einstündige Ruhepause. Es bestehen hier wesentlich höhere Temperaturen und wir sind daher froh um die Siesta. So können wir uns erst mal ein wenig akklimatisieren, und als es dann um 16h zur Pirschfahrt geht sind wir auch fast wieder fit.
Da es auch hier geregnet hatte ist die Vegetation sehr üppig und grün. Das Gras steht hoch, die Büsche und Bäume tragen reichlich Laub. Faszinierend sind die Farben: rote Erde, blauer Himmel und die unterschiedlichsten Schattierungen von Grün. Und dazwischen immer wieder Impalas und Zebras. Auf der einen Wiese sehen wir trotz der Höhe des Grases eine Riesentrappe. Im Unterschied zur Massai Mara muss man im Tsavo auf den vorgeschriebenen Wegen fahren und darf sich nicht einfach quer durchs Land bewegen und in Warzenschweinbauten stecken bleiben. Das macht die Fahrt aber nicht weniger aufregend und abenteuerlich, so dass wir wie immer das Camp erst bei Einbruch der Dunkelheit erreichen.

Jörg hatte uns heute Mittag den Tipp gegeben, vor dem abendlichen Verlassen und nach ausschalten des Lichtes unserer "Suite", das Zelt mit Insektenspray auszusprühen und dann gleich den Reißverschluss zu schließen. Gute Idee!! Mach ich! Tja, leider habe ich jedoch vergessen genau darauf zu achten wo die Düse der Sprühdose ist und bekomme eine volle Ladung ab. Aber was solls- ganz bestimmt bin ich heute gut gegen Mückenbisse geschützt.

Für unser Abendessen wird ein etwas abseits gelegener Tisch gedeckt mit Blick auf das Wasserloch, welches nur etwa 10-15 m entfernt ist. Während der trockenen und wasserarmen Jahreszeit herrscht hier ein reges Kommen und Gehen. Elefanten, Giraffen, Löwen, Zebras sowie die übrige Tierwelt des Tsavo-Parks ziehen an die vorhandenen Wasserlöcher um zu trinken und können so beobachtet werden wie auf einer natürlichen Bühne. Da allerdings durch den Regen auch an anderen Stellen des Parks genügend Wasser vorhanden ist, meiden die Tiere die Nähe des Lichts und der Menschen. Wir sitzen auf jeden Fall mitten im Busch, genießen ein sehr schmackhaftes Essen und trinken einen trockenen südafrikanischen Weißwein. Irgendwie kommt mir die Szene bekannt vor- wars in "Jenseits von Afrika"? Egal- für uns ist es jedenfalls Realität geworden. Auf unserem Weg zurück zum Zelt haben wir einen Begleiter, genau wie auf dem Hinweg. Er beleuchtet uns einerseits den Weg mit einer Taschenlampe, ist aber auch zu unserer Sicherheit hier. Denn durch die Nähe des Wasserloches kann es natürlich vorkommen, dass sich eines der Wildtiere in das Camp verirrt. Es wird doch hoffentlich heute Nacht kein Elefant über unser Suite-Zelt stolpern? Diese Überlegung hält mich jedoch nicht davon ab innerhalb von fünf Minuten tief und fest einzuschlafen. "lala salama -Gute Nacht!"



Sonntag 25.November 2006

Gestern Abend hatten wir auch Trevor kennen gelernt, er betreibt das Tarhi Camp. Und trotz unserem reichhaltigen Frühstück lässt er sich nicht davon abbringen, uns mit einer großen Picknick-Tasche zu versorgen. So ausgerüstet machen wir uns wieder auf den Weg.
Eine der vielen Attraktionen im Tsavo sind die "roten" Elefanten. Natürlich sind sie nicht wirklich rot, sondern sie bedecken sich mit Erde und die ist hier eben rot. Unseren ersten Tsavo-Elefanten bekommen wir auch bald zu sehen. Die Blicke immer ein wenig in die Ferne gerichtet fahren wir die Piste entlang- und auf einmal steht ein Elefant direkt am Wegrand neben uns. Wer ist da mehr erschrocken- der Elefant oder wir? Keine Ahnung, aber die Reaktion des Elefanten war beeindruckender als unser "ooh!" Er trompetete laut und deutlich, schwang seinen Rüssel erst nach oben und dann zur Seite und wedelte mit den Ohren- ich brauche kein Kenner der "Elefantensprache" zu sein um zu verstehen: "Ich fühle mich gestört- haut bloß ab!" Na ja, haben wir dann auch gemacht- ist ja schließlich sein Revier und größer und stärker ist er auch.

Die nächsten Elefanten die wir sehen sind etwas weiter weg, sie lassen sich auf diese Entfernung nicht stören und fressen in aller Ruhe weiter. Sie sind tatsächlich rot wie die Erde und das wirkt wie eine Tarnfarbe. Es ist verblüffend wie schwierig es ist so ein großes Tier im Busch zu sehen. Sie bewegen sich ruhig und gleichmäßig, verschmelzen irgendwie mit dem Hintergrund. Aber auch aus der Nähe - kaum zu glauben - da stellt sich ein ausgewachsener Elefant hinter den Stamm einer schlanken Akazie - und ist fast nicht mehr zu sehen! Wie macht er das? Das schaffe ich nicht mal bei einer dicken Eiche. Aber nicht nur die Elefanten sind getarnt, die Giraffen können das genauso gut. Trotz ihrer Größe müssen wir sehr genau hinschauen um sie zu entdecken. Die Giraffen fressen Akazienblätter, beugen sich dabei natürlich nach unten und sind mit ihrem gefleckten Fell im Gebüsch fast aus unserem Blick verschwunden.

Hin und wieder sehen wir einen Minibus und meistens halten die Fahrer kurz an, um sich gegenseitig zu informieren wo welches Wild gesehen wurde. Bei einer dieser Gelegenheiten erfährt Jörg, dass nicht weit von hier Löwen gesehen wurden. Also nichts wie hin! Denn trotz der vielen Löwen die wir bisher beobachtet haben, sind sie immer wieder etwas ganz Besonderes. Außerdem hat Jörg uns erzählt, dass die Löwen im Tsavo viel größer sind als in der Massai Mara und das möchten wir natürlich auch sehen. Nach einer rasanten Fahrt kommen wir bei den Löwen an, es handelt sich um zwei Löwinnen mit ihrem Nachwuchs. Sie wandern in einiger Entfernung durch das Gras, vermutlich auf der Suche nach einem sicheren Platz für ihren Mittagsschlaf. Da es im Tsavo ja verboten ist die Piste zu verlassen können wir uns den Löwen zwar nicht nähern, aber auch von hier sehen wir sie streckenweise sehr gut. Ja, sie sind wirklich grösser als ihre Artgenossen in der Massai Mara. Und warum auch nicht- ich überrage ja auch die meisten Spanierinnen. Die Löwen ziehen weiter, parallel zur Piste und wir folgen ihnen langsam mit dem Auto. Aber irgendwann trennen sich die Richtung der Löwen und die der Fahrpiste und damit verlieren wir allmählich die Tiere aus den Augen.

Als wirklich weit und breit kein Löwenohr mehr im Gras wackelt, konzentrieren wir uns wieder auf die Vielzahl der anderen im Tsavo lebenden Tiere. Ein hier recht häufig anzutreffendes Wild ist das Dik-Dik, die mich immer an ein zu klein geratenes Reh erinnern. Es ist ca. 30 cm hoch, rehbraun mit großen Augen und zarten, fast zerbrechlich wirkenden Beinen. Sie huschen durch das Unterholz und versuchen von einem Leopard nicht als Leckerbissen erwischt zu werden. Natürlich gibt es auch Bewohner des Busches die kaum aufzustöbern sind, wie z.B. Schlangen. Sie sind nachtaktiv und verbringen den Tag lieber dösend in einer stillen Ecke. Zudem sind sie sehr scheu. Aber ihre Präsenz zeigt sich in den Spuren, welche sie im Sand hinterlassen.

Gegen Mittag kommen wir zum Mudanda Rock. Es handelt sich dabei um eine Felsformation von ca. 1,5 km. Jörg parkt und wir können den Landcruiser verlassen und auf den Felsen steigen. Es bietet sich uns ein atemberaubender Ausblick über etliche Quadratkilometer Landschaft mit friedlich grasenden Zebras und Impalas. Direkt unter uns ist eine Wasserstelle, aber wir sind wohl schon etwas spät und die Tiere sind von der Tränke in den Schatten geflüchtet um der Hitze auszuweichen. Nach einer Weile tun wir das gleiche, denn trotz des hier oben angenehmen Windes ist die Sonne sehr intensiv.

Während der Weiterfahrt gibt es neben dem uns bereits bekannten Wild immer wieder neue Tiere auf die Jörg uns aufmerksam macht. Da sind z.B. die Giraffenhalsgazellen (Gerenuk), Kleine Kudus und Wasserböcke. Für unser Picknick hat sich Jörg die "Lugards Falls" ausgesucht. Dabei handelt es sich um einen Wasserfall und den Namen hat er von seinem Entdecker Frederick Lugard. Der Wasserfall ist zwar nicht sehr hoch, aber nach den Regenfällen hat er eine beeindruckende Breite und Strömung. Das Wasser ist rötlich-braun durch mitgeführte Erde, man kann also auch nicht bis auf den Grund sehen. Gibt es hier Krokodile? Jörg sagt ja, er hat hier schon welche gesehen -und zwar etwa ein Jahr nachdem er hier mal schwimmen war. Schwimmen? Hier? Oh nein, lieber nicht. Aber ich möchte trotzdem wissen wie sich das Wasser anfühlt und welche Temperatur es hat. Also gehe ich an das Ufer und halte einfach mal die Hand ins Wasser, aber das ist gar nicht so einfach. Die Steine sind feucht- ich werde doch nicht in diese braune Brühe rutschen wo vielleicht ein Krokodil oder wer weiß was am Grund lauert? Es geht jedoch alles glatt, das Wasser ist warm und weich und kein Fisch hat nach meinen Fingern geschnappt. Aber ich habe die Hand ja auch nur ganz schnell eingetunkt!

Nachdem wir uns mit Hühnerbeinen und Sandwichs gestärkt haben geht es ein Stückchen weiter und wir kommen an den "Crocodil-Point". Von diesem erhöht gelegenen Aussichtspunkt haben wir Blick auf den Fluss mit zwei kleinen Flussmündungen und reichlich Krokodile. Meistens sieht man diese großen Reptilien ja einfach nur ruhig in der Sonne dösen, aber hier bekommen wir eine Demonstration wie schnell sie sein können. Eines der Tiere lässt sich wie auch die anderen im Wasser treiben - und dann- zack- ein ruck- ein Satz an das Ufer- dort ein paar schnelle Schritte- er hat einen Fisch gefangen, verspeist und das alles ging unglaublich schnell. Beeindruckend! Den anderen hat das wohl Appetit gemacht, es kommt Bewegung in einige der Tiere. Und mittendrin stolziert ein Vogel und macht den Krokodilen bei ihrem Fischfang Konkurrenz. Weiß er denn was er da macht? Ja klar, ganz bestimmt. Aber trotzdem- so von hier aus- wirkt das auch für den Vogel recht gefährlich. Man kann ja nie wissen, oder?

Die Zeit vergeht wie immer viel zu schnell und wir müssen aufbrechen um noch bei Tageslicht im Camp zu sein. Auf der Rückfahrt kommen wir wieder an einigen Elefantenherden vorbei und können uns gar nicht satt sehen an diesen riesigen Tieren. Doch zum zweiten Mal an diesem Tag sind wir wohl nach Ansicht der Elefanten etwas zu nahe. Durch Ohrenaufstellen bekommen wir ganz klare Signale gezeigt, also machen wir was man uns "sagt" und fahren ein Stück weiter um den Abstand zu vergrößern. Wir landen damit allerdings vom Regen in der Traufe, denn hier ist schon die nächste Elefanten- Großfamilie. Auch hier werden wir nicht ruhig und gelassen empfangen sondern erhalten ganz klar das Signal: Ihr stört!!!! Was nun? Hinter uns und vor uns verärgerte Elefanten, wohin jetzt? Jörg bleibt ruhig und wartet erst mal ab, natürlich mit laufendem Motor und mit eingelegtem ersten Gang. Nach einer Weile kommt jedoch die verantwortliche Elefantendame zu dem Schluss, dass von uns keine Gefahr ausgeht und wird ruhiger. So fahren wir vorsichtig und langsam wieder an und setzen unseren Weg fort. Nicht mehr weit vom Tarhi-Camp entfernt entdecken wir einer Herde Paviane. Sie sitzen auf einer Lichtung und schauen in den Busch- alle in eine Richtung, einer hinter dem anderen. Fast wie im Kino! Was gibt es wohl zu sehen? Jörg meint, es sei gut möglich, dass sich ein Leopard in der Nähe aufhält. Es ist inzwischen schon 18h, das Licht wird allmählich schwächer und damit fängt die Jagdzeit der Raubtiere an. Allzu lange Ausschau halten können wir allerdings nicht, denn die verbleibende halbe Stunde Tageszeit brauchen wir für unsere restliche Fahrt ins Camp.

Dort angekommen erfahren wir, dass wir heute das Camp für uns alleine haben, die anderen Gäste sind im Laufe des Tages alle abgereist. Nein, nein, es hat nichts mit uns zu tun!!!! Ehrlich!!! Wir nehmen vor dem Essen einen Drink an der Bar bei dem uns Trevor Gesellschaft leistet, und danach bekommen wir genau wie gestern ein hervorragendes Abendessen an "unserem" Tisch. Dort bleiben wir auch den restlichen Abend, plaudern über den heutigen Tag und genießen die Ruhe. Denn wir sind hier ja die einzigen die "Lärm" machen. Jörg vergibt noch den üblichen Weckauftrag für 6h und wir lassen uns mit Taschenlampen zu unserem Zelt begleiten. Wir wollen ja schließlich morgen früh wieder fit sein!



Montag 26.November 2006

Schon fast an das frühe Aufstehen gewöhnt werde ich kurz vor 6h wach und gehe mit der Taschenlampe in das rückseitig angebrachte Zelt, wo sich Toilette und Dusche befinden. Dort habe ich meine erste "Wildbeobachtung" des Tages. Wie auch gestern haben sich mehrere Frösche in unserem "Badezimmer" verteilt. Sie wünschen mir mit einem leisen "Quaak" einen guten Morgen, dann hüpfen sie nach draußen oder verschwinden in einer dunklen Ecke. Der anwesende Gekko dagegen lässt sich von mir nicht stören, er bleibt ohne Reaktion an seinem Platz. Ich werfe noch einen prüfenden Blick in die Runde- wo ist denn die Spinne? Ah ja- unter dem Waschtisch, ihrem üblichen Versteck. Mit Rücksicht auf unsere Insekten jagenden Mitbewohner habe ich im "Badezimmer" auch kein Insektenspray verwendet- wer möchte denn Gekkos und einen evtuellen Froschkönig vergiften? Mit der Spinne habe ich ein Abkommen getroffen- sie bleibt unter dem Waschtisch und ich lasse sie in Ruhe. Klappt bisher prima!

Kaum sind wir aus unserem Zelt, bekommen wir schon die nächsten Tiere zu sehen und die sind entschieden größer. Am gegenüberliegenden Ufer des Wasserlochs machen Giraffen einen Morgenspaziergang.
Im "Frühstückszelt" angekommen bestellen wir uns Omelette, Toast, Marmelade, Tee und fangen schon mal an zu frühstücken. Merkwürdig, wo bleibt denn Jörg? Sonst ist er doch immer der erste. Das wird doch nichts mit dem nächtlichen Gekicher der Hyänen zu tun haben? Nein, Gott sei Dank nicht! Er hat nur verschlafen, man hat vergessen ihn zu wecken. Was solls, fahren wir eben mal 10 Minuten später los- wir sind ja im Urlaub.

Und schon sitzen wir wieder im Toyota Landcruiser, voller Spannung was uns der heutige Tag wohl so alles bringt. Vorbei geht es an Zebras, Impalas, Gazellen und Giraffen. Die Elefanten sind wohl heute an einer anderen Stelle, denn im Moment ist hier keiner zu sehen. Oder haben sie sich hinter einer Akazie versteckt? Wir wenden unsere Aufmerksamkeit jedenfalls erst einmal wesentlich kleinere Lebewesen zu, die jedoch durch ihre großen Bauwerke auffallen. Termiten- und sie bauen mannshohe Hügel. Überall sind diese verteilt. Die Termiten bauen ihre "Häuser" um einen Baum, der ihnen dann als Nahrung dient. Irgendwann stirbt der Baum ab- die Termiten verlassen ihre Wohnstätte und ziehen weiter. Natürlich wieder an einen neuen Baum, das gleiche fängt von vorne an. Daher sieht man hier jede Menge kahle und abgestorbene Bäume, teilweise mit einer verlassenen Termitenburg an seinem Stamm.

Dann bekommen wir auch heute wieder einen Tipp: ein Leopard wurde gesehen. Sofort machen wir uns auf den Weg. Die Fahrer der Minibusse stehen über Funk miteinander in Kontakt und können auf diesem Weg immer die anderen verständigen. Denn jeder der Fahrer möchte ja "seinen" Touristen eine besonders tolle Safari mit viel Spannung bieten. Hört sich ja eigentlich gut an, oder?
Als wir bei dem gesichteten Leopard ankommen kann ich es kaum fassen. Mit dem Fernglas kann man die elegante Raubkatze in einem recht weit entfernten Baum gerade noch so erkennen. Na gut- wir sind verwöhnt bei all den vielen Beobachtungen die wir bisher machen konnten. Aber auch die Piste- es sind so viele Minibusse, dass ich mir vorkomme wie an einem Busbahnhof. Ein richtiges Gedrängel und Gerangel um den besten Platz. Mit einem sehr zufriedenen Gefühl betreffs unserer Safari schieße ich ein Foto dieses Szenariums und wir fahren wieder los. Irgendwohin, wo wir die Landschaft mit ihrer Tierwelt in Ruhe genießen können.

Zu Beginn unserer Reise hatte ich den Wunsch geäußert einmal den Landcruiser zu fahren. Es interessiert mich zu wissen: komme ich damit klar wenn Lenkrad, Schaltung usw. auf der "falschen" Seite sind? Jörg ist mutig und lässt mich tatsächlich mal versuchen. Da ich besonders vorsichtig sein möchte umfahre ich das erste Schlammloch- dafür kratze ich an den Zweigen eines Strauches entlang. Die haben ca. 3-4cm lange Stacheln- ein scheußliches Geräusch und ich kann hören wie Jörg tief durchatmet. Also Vorsicht bei Pflanzen und dass der Toyota Unebenheiten bewältigen kann, hat er ja schon in der Massai Mara gezeigt. Also hopple ich langsam über die Piste, öffne aus Versehen die Motorhaube und greife immer wieder mit der falschen Hand nach der Schaltung. Aber nach einiger Zeit geht es etwas besser und es macht Spaß auf der ungewohnten Piste durch den Busch zu fahren. Bis zum ersten größeren Schlammloch, da gebe ich wieder an Jörg ab. Denn wer weiß wie tief das Loch ist und falls wir stecken bleiben- dann doch besser er als ich! Oder würde ich eventuell schneller stecken bleiben? Wahrscheinlich!

Auf unserer Fahrt beobachten wir wieder jede Menge der dort lebenden Wildtiere, sie scheinen das Auto überhaupt nicht zu bemerken. Heute begegnen wir auch Oryx- Antilopen, genauso genommen, Büschelohroryx, bisher hatten wir noch keine gesehen. Das Besondere an ihnen sind die langen, wie Korkenzieher gedrehten Hörner und die Büschel an ihren Ohren.

Für heute haben wir uns vorgenommen in der Mittagszeit ins Camp zurück zu fahren. Da haben wir dann die Möglichkeit uns entweder ein wenig auszuruhen oder das Camp näher zu erforschen. Dann dafür hatten wir bisher ja noch gar keine Zeit. Wir halten uns also bei unserer Route allmählich Richtung Tarhi Camp, genießen die Fahrt und den warmen Fahrtwind, denn das Dach des Landcruiser ist wie immer geöffnet. Die Strecke ist heute sehr holperig, Edith und ich sitzen hinten und halten uns lieber mal fest. Und dann- eine Schlammpfütze. Sieht gar nicht tief aus, Jörg gibt Gas, fährt mit viel Schwung durch und kommt auch auf der anderen Seite wieder raus. Allerdings nicht trocken, denn die Schlammlache war doch tiefer als es aussah. Wir sind alle drei mit rotem Tsavo- Schlamm geduscht. Wir, das Auto, die Sitze, die Taschen, einfach alles! Ein Blick in den Spiegel- ja rote Haare sehen eigentlich auch ganz gut aus. Und Edith- so kleine Farbkleckse, sehr belebend und kleidsam. Als wir im Camp ankommen erkennt man uns aber trotzdem und wir können in unsere Zelte gehen um zu duschen, diesmal mit Wasser.



Den Nachmittag verbringen wir wie geplant im Camp. Wir nutzen die Zeit endlich die restlichen Ansichtskarten zu schreiben und zu relaxen. Von unserem Platz aus können wir beobachten wie das hoch gewachsene Gras um das Wasserloch mit Sensen abgemäht wird. Dies ist notwendig, damit sich keine Raubkatzen ungesehen zu nahe an das Camp anschleichen können. Aber auch Giftschlangen hätten darin gute Möglichkeiten eines Verstecks. Ungefährliche Reptilien sind hier jedoch reichlich anzutreffen. Besonders angetan hat es mir eine Echse in rot-grün, aber jedes Mal wenn ich fotografieren möchte- schwupp- läuft sie weg. Doch nach einer Weile und viel Geduld gelingt mir doch noch ein Schnappschuss. Auch Vogelliebhaber kommen hier auf ihre Kosten, überall stehen Wasserschalen für die verschiedensten Arten. Natürlich sind nicht nur hier im Camp Vögel zu beobachten, sondern im gesamten Tsavo Park. Sehr häufig ist hier z.B. der Webervogel, er hat eine ganz besondere Technik um sein Nest zu bauen. Er "flechtet" einen kleinen Korb als Nest welches von seiner Braut begutachtet wird. Findet sie es gut genug- o.k., dann wird eingezogen. Wenn nicht- dann muss der Ärmste eben ein Neues weben. Hin und wieder findet man ein runter gefallenes Nest und kann die Stabilität des Baues bewundern. Bei unserem Abschied im Tarhi Camp bekomme ich so ein Nest geschenkt, vergesse es dann aber leider in Jörgs Auto.

So gegen 16h werden wir wieder munter und machen uns noch mal auf die Pirsch. Inzwischen ist die größte Hitze vorbei und auch die Tiere verlassen ihre schattigen Plätze. Auf einer Wiese entdecken wir eine Riesentrappe, der große Vogel ist in dem hohen Gras kaum auszumachen. Auch einen Wasserbock sehen wir noch mal, er steht ganz ruhig unter einem Busch am Wegrand. Wir fahren wieder einen neuen Weg, es wird ein wenig hügelig und wir halten uns bergauf. Im Unterholz können wir immer wieder Dik-Diks sehen, die hier reichhaltig vertreten sind. Mit großen, glänzenden Augen schauen sie aus dem Gebüsch. Auf einer Wiese steht ganz alleine ein Elefantenbulle und ist am grasen. Wir haben den Eindruck, dass es sich um einen schon etwas älteren Herrn handelt. Er frisst mit offensichtlich gutem Appetit und auch anscheinendem Hunger das frische saftige Gras. Jörg erklärt uns, dass sich bei Elefanten im laufe der Jahre die Zähne abnutzen. Dadurch kann ein älterer Elefant nicht mehr besonders gut das trockene und harte Gras kauen. Also nutzt dieser jetzt die kurze Zeit des zarten Grases und schlägt sich so richtig den Magen voll, sozusagen auf Vorrat.

Auf dieser abendlichen Fahrt begegnet uns auch eine große Herde Kaffernbüffel. Wir halten an um einige Fotos zu schießen und machen dabei die Beobachtung, dass die Büffel anfangen sich zu formieren. Zuerst sieht dass ganz harmlos aus, nur ein paar Büffel die in unsere Richtung schauen. Doch dann werden es immer mehr, sie stehen einer neben dem anderen und bilden eine richtige Front gegen uns. In unseren Worten würden wir wohl sagen: Kommt bloß nicht näher- hey, ihr da - seht zu dass ihr Land gewinnt!!

Es ist unser letzter Tag im Tsavo Ost und daher auch die letzte abendliche Pirschfahrt und wir finden, dass die Zeit wie immer viel zu schnell vergeht. Trotzdem, wir sind mal wieder zu spät und Jörg muss daher das letzte Stück im Dunkeln fahren. Auch heute haben wir wieder das Camp für uns alleine. Wir treffen uns an der Bar und genießen das familiäre und freundschaftliche Ambiente des Camps. Trevor hat diesen Abend etwas mehr Zeit und erzählt ein wenig vom Leben in Kenya. Leider ist seine Frau Margit für ein paar Tage an der Küste und wir haben daher keine Möglichkeit sie kennen zu lernen. Nach einem wie immer leckeren Abendessen machen wir noch unsere Pläne für den nächsten Tag. Wir werden morgens mit Gepäck losfahren, allerdings nicht auf direktem Weg zum Parkausgang sondern erst noch eine Pirschfahrt unternehmen. So gewinnen wir noch einen halben Tag unserer Safari. Mittags geht es dann weiter Richtung Mombasa und nach Diani-Beach , wo wir uns einige Tage am Strand ausruhen möchten.

Dienstag 27.11.06

Heute beginnt unser letzter Safari-Tag und wir wollen die verbliebenen Stunden natürlich gut nützen. Deshalb verabschieden wir uns gleich nach dem Frühstück von Trevor und dem Tarhi-Camp und machen uns auf den Weg. So wie gestern besprochen geht es nicht direkt zur Parkausfahrt, sondern wir fahren erst noch ein wenig durch den Busch. Ich habe das Gefühl, Jörg hofft uns noch einen Gepard zeigen zu können. Aber so ist das eben, in der freien Natur entscheidet das Wild wo es sich aufhält und wir können keine Begegnung erzwingen. Edith und ich sind mehr als froh, so viele verschieden Tiere aus nächster Nähe beobachtet zu haben. Aber trotzdem- jetzt halten wir deswegen nicht weniger gespannt Ausschau. Ob wir vielleicht doch noch mal eine Raubkatze zu sehen bekommen?

Jörg späht angestrengt in den Busch, ich spähe angestrengt in den Busch - und Edith sagt: "Schaut mal, da läuft ein Leopard im Pistengraben! Direkt neben unserem Auto!" Und tatsächlich, direkt neben uns geht in aller Ruhe ein Leopard spazieren. Wir stoppen den Wagen, gemächlich schlendert er an uns vorbei und spaziert dann in aller Ruhe vor unserem Auto her. Vorsichtig und ganz langsam rollen wir ihm nach. Er soll ja weder gestört noch vertrieben werden. Wir vermuten, dass er heute Nacht keine Beute gemacht hat, sein Körper wirkt sehr schlank und der Magen eingefallen. Jetzt ist er also noch unterwegs und auf der Suche nach einem wohlschmeckenden Frühstück. Und tatsächlich, nach einer Weile schlägt sich "Ediths" Leopard in die Büsche. Dort geht er auf "Tauchstation" und pirscht sich geduckt weiter. Voller Spannung beobachten wir ihn und die Umgebung. Nach was späht er? Wo ist sein Ziel? Nach einer Weile entdecken wir es- es sind einige Dik-Diks im Gebüsch versteckt. Noch haben sie ihn nicht bemerkt! Mit langsamen Bewegungen schleicht sich die Katze näher an ihr ausgewähltes vermeintliches Opfer. Und dann - kommt ein Minibus angefahren. Wir reagieren schnell, denn wir wollen das "unseren" Leopard nicht beim Jagen gestört wird. Also starten wir unser Täuschungsmanöver: Um 180 die Köpfe drehen, Fernglas vor die Augen und angestrengt mit vollem Interesse in den leeren Busch schauen! Auch der Minibusfahrer und seine Gäste schauen- und sehen - nix. Sie zucken mit den Schultern, die Köpfe verschwinden wieder im Bus und wir atmen erleichtert auf. Doch da passiert es! Der Busfahrer wendet den Kopf für einen Abschiedsgruss zu Jörg- und entdeckt "unseren" Leopard. So ein Pech! Und - zack - die Köpfe schauen wieder aus dem Schiebedach und die Entdeckung der Raubkatze wird voller Begeisterung lautstark kommentiert. Der Fahrer nimmt sofort sein Funkgerät um seine Kollegen zu verständigen- er ist wohl kollegialer eingestellt als wir. Die Funkverbindung ist nicht sehr gut, das Gerät pfeift und knattert. Er muss also entsprechend laut reden und ich frage mich: Wozu braucht er bei diesem Stimmvolumen eigentlich ein Funkgerät?



Erstaunlicherweise scheint unseren Leoparden die neue Geräuschkulisse nicht zu stören, der Hunger ist wahrscheinlich größer. Anders bei den Dik-Diks, da ist inzwischen auch das schwerhörigste aufmerksam geworden. Sie merken: "irgendwas ist hier faul im Busch" und treten sicherheitshalber die Flucht an. Am Minibus hat sich die erste Aufregung gelegt, die Stimmen werden etwas leiser. Oder hat unser mehrfach gezischtes "Pssst" damit zu tun? Wir ignorieren einfach das "Restgemurmel" und beobachten weiter was der hungrige Jäger macht. Er begibt sich auf die Suche nach einer neuen Beute. Dazu überquert er die Fahrpiste und schleicht geduckt weiter. In einiger Entfernung steht dort eine Herde nichts ahnender Impalas. Die Raubkatze lässt sich Zeit, in kleinen Etappen versucht sie sich zu nähern und nutzt dabei jedes Gebüsch zur Tarnung. Dort verharrt die Katze eine Weile, bevor sie sich lautlos ein Stück weiterbewegt. Inzwischen sind zwei weitere über Funk verständigte Minibusse eingetroffen und beobachten mit uns das Geschehen. Der erste Bus hat bereits das Interesse verloren- schließlich bewegt sich der Leopard ja kaum, also viel zu wenig "Action". So langsam kommen immer mehr Busse doch da der Leopard sich in seiner Deckung hält, ist er nur beim genauen Hinsehen auszumachen. Wir hatten mal wieder riesengroßes Glück! Fünf Minuten später oder früher, oder Edith hätte im Auto auf der anderes Seite gesessen- tja, einfach Schwein gehabt! Wir können "Ediths" Leopard in seinem Schlupfwinkel gut erkennen und beobachten ihn nach wie vor voller Spannung. Inzwischen treffen jedoch auch die von weiteren Entfernungen kommende Minibusse ein. Der Platz wird eng, jeder möchte natürlich die beste Sicht.



Wir hatten "unsere" Zeit mit "unserem" Leopard, deshalb machen wir uns auf zur Weiterfahrt. Allmählich müssen wir uns auch in Richtung Parkausgang halten, denn bis Mombasa sind es schließlich noch über 100 km. Und da die Strassen in Keniaaber das habe ich ja schon erzählt! Auf dem Weg zum Gate begegnet uns noch eine Herde Oryx -Antilopen und einer großen Herde Kudus. Fast als wolle sich der Naturpark Tsavo Ost von uns verabschieden. Dann sind wir auch schon am Parkausgang und fahren durch das Buchuma Gate. Ist es wirklich erst drei Tage her seit unserer Ankunft?



Wie ich es mir schon gedacht habe- die Strassen sind in den drei Tagen nicht besser geworden. Nur trockener und dadurch auch staubiger. Bei einer Baustelle von einigen Kilometern müssen wir die Fenster schließen und die Temperatur im Landcruiser steigt schnell an, es wird fast unangenehm heiß. Also Fenster wieder auf, einmal Staub und Luft durchziehen lassen, Fenster wieder zu. Aber auch diese Etappe hat ein Ende und die Fahrt wird wieder angenehmer, die Fensterscheiben können unten bleiben. Die Landschaft verändert sich, das Klima wird tropischer je mehr wir uns Mombasa nähern. Dies ist die dritte Klimaregion auf unserer Reise und wir können die hohe Luftfeuchtigkeit bereits spüren.

Aber nicht nur die Landschaft, auch die Ortschaften bieten ein neues Bild und die christlichen Kirchen werden zum größten Teil durch islamitische Moscheen abgelöst. In Kenia leben ca. 66% Christen, 6 % Moslems sowie Hindus und Sikhs. Die christliche Bevölkerung lebt vorwiegend in Zentralkenia, während die moslemische Bevölkerung meist an der Küste und im Nordosten zu finden ist.

Kurz vor Mombasa begegnet uns eine Kolonne LKWs von mehreren Kilometern. Sie kommen so langsam vorwärts, dass einige Fahrer in der "Standzeit" ihre Autos waschen. Wir vermuten, dass die Lastwagen zum Hafen wollen um die Container zu verschiffen. Am Tag unseres Abfluges erzählt mir jedoch der Taxifahrer, dass es sich hier um eine Mautstelle handelt. Die Laster werden mit dem Container gewogen und die Mautgebühr richtet sich nach dem Gewicht der Ladung. Jetzt kommen auch die ersten Wohnhäuser in Sicht. Es handelt sich um Wohnblocks und wie es scheint hat Mombasa ein Müllproblem. Der Abfall ist hinter den Häusern angehäuft, ein Teil kompostiert, die Plastikflaschen sind haltbarer und bleiben liegen. Willkommen in der Großstadt, wir sind wieder in der Zivilisation.

Die Innenstadt bietet ein sehr lebhaftes Bild. Überall Geschäfte und viele Menschen der unterschiedlichsten Rassen und Kulturen. Wir fahren in der Nähe des Busbahnhofs vorbei und werfen einen kurzen Blick auf die Markthallen. In der ganzen Stadt herrscht ein turbulenter Autoverkehr. Jörg fährt für uns noch einen kleinen Umweg, so können wir einen Blick auf die vier riesigen Elefantenstosszähne, dem Wahrzeichen der Stadt, werfen.

Um an unser Ziel, die Südküste zu gelangen müssen wir mit der Autofähre auf das Festland, denn Mombasa befindet sich auf einer Halbinsel. Wir stehen in der Warteschlange zwischen Matatus, Transporten, Taxen und PKWs in allen Größen und Variationen. Es ist heiß, stickig und riecht nach Abgasen. Zwischen den Autos drängen sich Mädchen, die in ihren Körben kalte Getränke anbieten. Wir kaufen auch, denn unser Wasser ist inzwischen lauwarm geworden. Hmmm- tut wirklich gut und der erste Schluck hat regelrecht gezischt! Inzwischen hat die Fähre angelegt und wir werden auf einen Stellplatz eingewiesen. Das klappt recht gut und geht erstaunlich zügig. Jetzt kommen auch all die vielen Fußgänger an Bord, ein absolut buntes Völkergemisch. Wir sehen Inderinnen in ihren Saris, moslemische verschleierte Frauen, Afrikanerinnen in bunten Baumwolltüchern und leger gekleidete Urlauber.

Auf der anderen Seite des Meerarmes angekommen ergießt sich die Menschenmenge in die Strassen von der Stadt Likoni. Die Autos drängen unter lautem Hupen von der Fähre und fahren in einen der Orte an der Südküste. Je weiter nach Süden wir kommen, um so touristisch erschlossener wird die Gegend. Wir sehen große Hotelanlagen, Restaurants und Einkaufszentren. Auch- man kann es kaum glauben- die Strassen werden besser. Nein, nein- nicht gut, aber besser. Die Schlaglöcher sind nicht mehr ganz so tief und liegen in etwas größeren Abständen. Unser Ziel ist Diani Beach, ca. 40 km von Mombasa entfernt. Dort werden wir uns von Jörg verabschieden um die letzte Etappe unseres Urlaubs in "Untermiete" zu verbringen.

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Die Tage an der Küste haben uns nicht wirklich gut gefallen, was aber vermutlich auch an der gewöhnungsbedürftigen Unterkunft lag, aber für mich steht jetzt schon fest: : "Ich möchte zurück in den Bush, zu den wilden Tieren! Und wenn's klappt, wieder mit Jörg und seinem Landcruiser!"

kwa heri ya kuonana Kenya
Eure Elke














Nachdem ich Elke und Edith an der Südküste abgesetzt hatte, verbrachte ich noch einige Tage bei Yolanda und Joachim im neuen Boko Boko - Porini Farm and Guesthouse, an der Nordküste! Edith war zum Zeitpunkt unserer Safari rüstige 70 Jahre alt und hat meinen vollen Respekt, den die Safari war unter den Witterungsumständen alles andere als einfach. Ich wünsche mir für meine Zukunft, dass ich im Alter genauso unternehmungslustig und begeisterungsfähig bin wie sie es ist!

Jörg