Ein Reisebericht von:
www.safari-wangu.de

Text und Fotos (digital) Jörg und Petra Reinecke;
copyright aller Bilder Jörg Reinecke, Nutzung nur mit ausdrücklicher Genehmigung!


Bekanntschaft mit den "Maneatern" vom Tsavo
20 Tage mit dem eigenen Toyota Landcruiser durch die Wildnis
(Teil II, Shaba und Samburu)



mit dem Toyota HJZ75 im Shaba Reservat


Überraschung in Shaba

Kurz vor Nanyuki überquerten wir den Äquator. In der Stadt selber machten wir noch kleinere Einkäufe und stellten mal wieder fest, dass die Zeit in dem kleinen Ort immer noch stehen geblieben war, danach fuhren wir durch weites Farmland, passierten den wenig einladenden Ort Timau und fuhren später hinab in Richtung des heißen, trockenen Samburu - Gebietes.

In Isiolo füllten wir ein weiteres Mal die beiden großen 90 Litertanks des Land Cruiser mit Diesel, checkten noch einmal alle Bolzen an den Rädern und verließen dann die befestigte Straße für die nächsten 5 Tage.

Die Tageszeit war gut gewählt, es kamen uns nur wenige Fahrzeuge auf der holprigen, mit grauem Staub bedeckten Piste entgegen. Weite Teile der Strecke hatten wir es mit so genannter Waschbrettpiste zu tun und die fährt man, wie alte Offroader wissen, am besten mit einer gleich bleibenden Geschwindigkeit von mindestens 70 km/h. Auf diese Weise nehmen die Räder nicht jede Welle mit, sondern gleiten über die Hügelspitzen ohne das einem die Glieder durchgeschüttelt werden und sich am Fahrzeug jede Schraube löst. Spannend wurde es nur jedes Mal wenn in der Staubwolke vor dem Fahrzeug plötzlich ein vermeintlich überdimensionales Loch auftaucht und ich innerhalb von Sekunden entscheiden musste ob ich bremse, umfahre oder einfach darüber fliegen kann.

Alle meine Sinne waren so leider auf die Piste konzentriert und so ist es schade um die Akazienbestandene Landschaft in der Immer wieder die Dörfer der Samburu auftauchten, Dromedar- und Eselherden umherzogen und Frauen und Kinder mit großen Holzbündeln oder Wasserkanistern auf dem Kopf oder Rücken die beschwerlichen Pfade nutzten. Irgendwann tauchten die ersten Hinweise auf die Reservate Samburu und Buffalo Springs auf und kurz danach zweigte eine Piste, kurz vor Archers Post nach rechts in Richtung Shaba Reservat ab. Es war unser erster Besuch im 239 km2 großen Shaba Reservat und wir waren gespannt, was uns erwartete.

Am Gate meldeten wir uns bei den Rangern für eine Übernachtung im eigenen Zelt an. Wir wollten irgendwo im Bush möglichst in der Nähe des Ewaso Ngiro Rivers campen und sprachen deshalb mit den Rangern ab, gegen 18.00Uhr zum Gate zurück zu kommen um zwei Ranger als Schutz für die Nacht aufzunehmen.
Da wir das Reservat gegen Mittag erreicht hatten, wollten wir zuerst ein wenig das Gebiet auf eigene Faust erkunden. Die vor uns liegende Landschaft war rau, dornig, hügelig, grau und staubig, aber durchaus reizvoll. Neben den unzähligen Akazien fielen die großen doppelstämmigen Doumpalmen auf. Die holprigen Pisten, die sich durch das Gelände schlängelten, erforderten meine ganze Konzentration und so war es schwer, das ohnehin wenige Wild auf zu spüren. Aber in der Mittags Hitze war sowieso nicht die richtige Zeit um in diesem heißen trockenen Gebiet nach Wild zu suchen und so beschlossen wir die Zeit der hoch stehenden Sonne zu nutzen und uns die Shaba Sarova Lodge anzusehen und etwas Kühles zu trinken. Im Nachhinein die beste Idee des Tages!

Direkt am braunen um diese Zeit gut gefüllten Ewaso Ngiro River lag die komfortable Lodge, die Unterkunft in zweistöckigen Doppelbandas bot, wirklich traumhaft.
"Von mir aus müssen wir nicht Zelten!" sah Petra mich mit großen erwartungsvollen Augen an.
"Von mir aus schon!" gab ich knapp zurück, zu lange hatte ich mich auf weitere Nächte am eigenen Lagerfeuer und ganz für uns alleine gefreut! Auch wenn ich zwischendurch absolut nichts gegen ein schönes Zimmer und eine warme Dusche habe!
An der Rezeption ließ ich mir noch die aktuellen Preise für eine Übernachtung geben und dann starteten wir erwartungsvoll unsere Pirschfahrt im Shaba Reservat.

mit dem Toyota HJZ75 im Shaba Reservat

Shaba Reservat
im Shaba Reservat im Shaba Reservat
im Shaba Reservat im Shaba Reservat
Immer wieder beeindruckte uns die gewaltige Landschaft, andere Safarifahrzeuge sahen wir gar nicht, Wild nur wenig. Aber das Shaba nicht besonders wildreich ist, wussten wir vorher. In erster Linie bekamen wir Netzgiraffen und vereinzelt Gerenuks sowie Impalas zu sehen. Grevyzebras suchten wir vergebens. Da wir insgesamt nicht mit spektakulären Wildbeobachtungen gerechnet hatten, genossen wir die Landschaft, suchten nach geeigneten Übernachtungsplätzen und besuchten das Kampi ya Simba, das alte "Filmcamp" von Georg Adamson. Mit seinen Löwen hatte Georg Adamson ursprünglich im Gebiet des heutigen Kora National Parks gelebt, für den Film "To Walk with Lions" wurde 1998 hier in Shaba sein Camp zu Füßen einiger Felskuppen komplett nachgebaut. Wir überlegten kurz, ob wir hier in der Nähe des Camps, welches auch einen Ranger Posten hat, übernachten sollten und machten uns dann auf um im großen Bogen, entlang des Rivers langsam zurück in Richtung Gate zu fahren.

im Shaba Reservat

kampi ya simba (Filmcamp "to walk with Lions!"
kampi ya simba, Shaba Reservat kampi ya simba, Shaba Reservat
Netzgiraffe im Shaba Reservat Netzgiraffen im Shaba Reservat
Die ohnehin steinigen Pisten wurden hier am Rande des Ewaso Ngiro teilweise sehr eng und waren von schweren Geröll versperrt, manchmal überlegte ich ob ich den ein oder anderen Gesteinsbrocken nicht lieber zur Seite rollen sollte, aber der Land Cruiser war stark und sehr geländegängig, das hatte er schon in der Masai Mara und im Tsavo bewiesen.

Immer wieder gab es unschöne Geräusche, Zweige kratzten über meinen neuen Lack und wie es unter dem Auto zuging wollte ich lieber gar nicht wissen. Es ging abwechselnd rauf und runter, hinter jedem Strauch machte die Piste eine neue Biegung, schnell hatte ich es verflucht, ausgerechnet diesen miserablen Weg genommen zu haben.
"Wir hätten lieber in die Sümpfe fahren sollen, als diesen Mist hier!" sagte ich zu Petra, als es plötzlich einen heftigen Schlag unter dem Fahrzeug gab.
"Was war das" fragte Petra erschrocken.
"Steine" antwortete ich kurz und konzentrierte ich mich wieder auf die Piste.
Kaum hatte ich aber geantwortete gab es nach der nächsten Senke wieder einen Knall und danach einen Ruck.
"Was jetzt!" zuckte Petra zusammen,
"Jetzt, jetzt haben wir die Hinterachse verloren!" gab ich zurück und lehnte mich aus dem Auto.
Was ich sah ließ mich im ersten Moment verzweifeln und ich sprach mein ersten Gedanken aus:
"Ende der Safari!"

Unsere Gehirne fingen an zu arbeiten, es war ca. 16.30 Uhr, wir waren irgendwo am Ufer des Ewaso Ngiro und hatten außer den Rangern am Gate und zwei Männern am Kampi ya simba heute noch keinen Menschen, geschweige den ein anderes Fahrzeug gesehen.
"Wasser und Lebensmittel reichen für ein paar Tage und ein Zelt haben wir auch!" stellte ich nüchtern fest!
"Toll, ganz toll" kam es wenig begeistert von Petra zurück.
Nachdem ersten Schock untersuchte ich erst einmal das Fahrzeug genauer. Auf der rechten Seite waren an der Hinterachse beide U-Bolzen abgeschert, die Achse lag nun leicht schräg unter dem Wagen, Blattfeder und Stoßdämpfer baumelten lose unter der Karosse. Der Tank hatte nichts abbekommen und außer das das ganze Gewicht des Wagens nun auf dem rechten Hinterreifen lastete, sah es gar nicht so schlimm aus.
Als erstes Entlastete ich den Hinterreifen, in dem ich den Cruiser mit meinem neunen großen "Jack" hoch pumpte und betrachtete dann stolz mein Werk.
"Und nu`"
"Nu` weiß ich auch nicht weiter!"
führten wir ein kurzes leicht gereiztes Gespräch!
"Telefonieren!" schoss es uns fast gleichzeitig durch den Kopf,
"Im alten "Reise Know How" sind Telefonnummern von den Lodgen!"
beruhigte ich Petra und wählte erfolglos alle angegebenen Telefonnummern an.
"Margit, ruf Margit im Tarhi Camp an!"
Leichter gesagt als getan, immer wieder verschwand das Mobilfunknetz, mal bekam ich Verbindung neben dem Auto, mal wenn ich auf der Motorhaube stand und manchmal eben gar nicht! Aber eigentlich freuten wir uns, dass es ab und zu überhaupt funktionierte. Irgendwann erreichten wir Margit.
"klar helfe ich, wo seit ihr!" fragte sie sofort
"Ca.1200km nördlich von dir, mitten im Bush, irgendwo am Ewaso Ngiro River im Shaba Reservat!"
Immer wieder riss die Verbindung ab, insgesamt dauerte es mehr als 1 Stunde, bis Margit mir die Mobilnummer des Managers der Shaba Sarova Lodge geben konnte. Den Manager erreichte ich irgendwo in Isiolo, erklärte ihm die Situation und unsere Position so gut ich konnte und er versprach uns Hilfe zu senden.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit kam die lang ersehnte Rettung in Form eines Land Cruiser der Shaba Lodge. Der freundliche Fahrer war in Begleitung eines Rangers und stieg mit einem Abschleppseil in der Hand aus seinem Fahrzeug:
"matata?" sah er mich an
"matata nkuba" gab ich zurück
"we don`t need a rope, we need some U-bolt and a mechanic!" sah ich ihn erwartungsvoll an.
"hakuna shida, but I need 2 to 3 hours to come back!"
"Ok!"
Der Fahrer versuchte noch uns zu überreden, mitzukommen und das Fahrzeug zurück zu lassen, aber wir weigerten uns hartnäckig und wollten lieber beide auf seine Rückkehr warten. Und so blieb der mitgekommene Ranger bei uns und "Tom" der Fahrer fuhr zurück, die erforderlichen Ersatzteile holen. Für mich hatte sich die Lage somit total entspannt und ich war mir sicher, dass Tom das schon wieder hinbekommt, wie auch immer. Aber bisher hatte mich noch kein Mechaniker oder Fahrer in Afrika enttäuscht (na gut, bis auf Ali!)
"nataka maji?" fragte der Ranger, der beharrlich auf ein paar Mirastängeln kaute, nach Wasser.
"Maji au bia?", bot ich ihm eine Dose Tusker an.
Grinsend nahm er ein Bier und hockte sich abseits vom Wagen wieder in den Bush.
"Äh, der soll uns beschützen, gleich ist er nicht nur high von der Mira, sondern auch noch voll vom Bier!" gab Petra lächelnd zu bedenken.
"Wo wollen wir nachher eigentlich zelten?" fragte ich sie,
"Zelten, du willst doch nicht mitten in der Nacht noch irgendwo das Zelt aufbauen? Das meinst du nicht ernst?"
Meinte ich eigentlich schon, als allerdings nach gut drei Stunden immer noch keine Ersatzteile da waren, fing ich an, mich mit dem Gedanken an eine Lodgeübernachtung anzufreunden.
"Sag mal, hast du eigentlich irgendwelche Voodoo Kenntnisse?" fragte ich Petra, und teilte ihr mit das wir wohl in der Lodge schlafen werden. Ein zufriedenes Grinsen huschte über ihr Gesicht und ich sah mich weiter im Fahrzeug nach einem mit Nadeln gespickten Land Cruiser Model um!

Achsschaden am HZJ75 Achsschaden am HZJ75
Achsschaden am HZJ75 Achsschaden am HZJ75
Achsschaden am HZJ75


Unser Ranger war wenig gesprächig und so freuten wir uns doppelt, als gegen 21.30 Uhr unser Retter im Dunkel auftauchte. Eine Gruppe junger Elefanten hatte ihm in der Dunkelheit die enge Zufahrt versperrt und ihn zu einem Umweg gezwungen. Neue U-Bolzen und Muttern hatte er mitgebracht, dennoch war ich gespannt wie wir die Achse wieder richten und die schwere Blattfeder wieder unter den Wagen bekommen wollten. Aber schnell wurde ich Zeuge wie man sich im Bush hilft und lernte wieder etwas dazu. Die Achse wurde mit einer mitgebrachten großen Eisenstange in die richtige Position gedrückt, anschließend wurde der Wagen mit dem Jack so hoch gepumpt, bis die Blattfeder wieder unter der Achse saß. Bevor Tom sich an das Verschrauben machte, sicherten wir den Wagen noch gegen herunterfallen, in dem wir zwei Reserveräder unter das Fahrzeug schoben.
"Na, aufgepasst?" frotzelte Petra
"noch īnen Spruch und wir zelten" gab ich erleichtert zurück!
Es dauerte kaum eine halbe Stunde und der Land Cruiser war wieder einsatzbereit! Nachdem wir Werkzeug und Räder wieder verstaut hatten fuhren wir langsam und vorsichtig in Richtung Lodge und ich freute mich auf diese Weise noch zu einer Nachtpirschfahrt gekommen zu sein. Tom musste erst noch die Ranger an ihrem Posten absetzen und so versuchte ich, möglichst langsam fahrend, noch eine nächtliche Wildbeobachtung zu bekommen. Aber das einzige wilde Tier was wir zu sehen bekamen war ein Kaphase, als ich allerdings versuchte Fotos von dem Tier zu bekommen (hab ich nämlich noch nie fotografiert und fehlt auf www.safari-wangu.de) war meine Ehe auf einmal mehr als gefährdet.
"Es ist nach 23.00 Uhr, für heute haben wir wirklich genug erlebt!" drängelte Petra mich.
Sie hatte auch noch unschöne Worte für den Hasen, aber die möchte ich hier jetzt nicht wiedergeben.

lepus capensis, kaphase

In der Shaba Lodge erwartete man uns bereits aufgeregt und, ich konnte es kaum glauben, man hatte das Dinner für uns stehen gelassen. Eigentlich hatten wir beide keinen Hunger mehr, mochten aber die erwartungsvoll blickenden Kellner nicht enttäuschen. Und so bescherte uns unser "break down" noch ein unerwartetes ganz privates Mitternachtsdinner, oben auf der Terrasse mit Blick auf den vom Monde beleuchteten Ewaso Ngiro! Als ich später im Bett, müde die Augen schloss, dachte ich leise vor mich hin:
"So schlecht sind Lodgen gar nicht!"

Am nächsten Morgen wachten wir in einem großen geräumigen Doppelzimmer unter einem riesigen Moskitonetz auf, durch eine große Panoramascheibe blickten wir auf einen Teich mit Nilwaranen und Sumpfschildkröten am Ufer und wenn wir vorne aus dem Fenster sahen, blickten wir direkt auf den River. Am gegenüberliegenden Ufer zogen Hirtenjungen der Samburu mit ihren Dromedaren entlang und auf einer Sandbank im Fluß standen bewegungslos einige Marabus.

Shaba Sarova Lodge, Ewaso Ngiro
Shaba Sarova Lodge, Shaba Reservat
Shaba Sarova Lodge Shaba Sarova Lodge, Ewaso Ngiro
Shaba Sarova Lodge, Ewaso Ngiro Shaba Sarova Lodge
Shaba Sarova Lodge Dromedar, Shaba Sarova Lodge
Skink, Shaba Sarova Lodge Nilwaran, Shaba Sarova Lodge
Dromedare

Da Tom versprochen hatte, heute bei Tageslicht noch einmal nach den Bolzen zu sehen und zu überprüfen ob noch andere Schäden entstanden waren, nahmen wir uns für diesen Vormittag nichts weiter vor und beschlossen erst nach dem Lunch in Richtung Samburu Reservat aufzubrechen.

Während Petra die Annehmlichkeiten einer Lodge genoss und sich sogar direkt am Ufer des Ewaso Ngiro River massieren ließ, frei nach dem Motto, "hoppla, was kostet die Welt"! Kümmerte ich mich um den Wagen, ließ ihn Waschen und überprüfte selber auch noch einmal sämtliche Bolzen. Tom sah seine nächtliche Hilfsaktion als selbstverständlich an, ließ sich die Bolzen bezahlen und freute sich über ein großzügiges Trinkgeld!

"In Afrika brauchst du sehr viel Zeit und ein wenig Geld!"


Eine kleine Katze wird zum großen Ereignis

Samburu Reservat


Archers Post Gleich nach dem Lunch fuhren wir über Archerīs Post rüber in das Samburu Reservat, schließlich wollten wir nun endlich erfolgreiche Pirschfahrten erleben. Nachdem wir das Archers Gate passiert hatten genossen wir erst einmal die sandigen angenehmen Pisten und konnten schon nach kurzer Zeit das erste Grevy Zebra beobachten, nicht ahnend dass es für längere Zeit das einzige bleiben sollte! Für die Übernachtungen hatten wir uns, schon vor Reiseantritt, für die Samburu Game Lodge entschieden, die uns noch in guter Erinnerung war.

Aber auch hier erlebten wir eine Überraschung, ähnlich wie bei der Mountain Lodge hatten auch hier die Besitzverhältnisse gewechselt, die Samburu Game Lodge gehört jetzt zur Wilderness Kette. Zusammen mit Larsens Camp und der Keekorok Lodge in der Masai Mara.
Wieder hatten sich damit auch die Preise mehr als verdoppelt!
Da wir uns aber jetzt erst einmal auf Wildbeobachtung konzentrieren wollten und beide keine Lust hatten den Nachmittag mit der Suche nach einem Camp zu verbringen, beschlossen wir zu bleiben.
Das war aber leichter gedacht als getan.
"fully booked" - Ausgebucht! Das glaub ich nicht.
"fully booked, for the next 5 days!" erklärte mir ein wirklich traurig drein schauender Afrikaner an der Rezeption. Ich blickte seine Kollegin verzweifelt an.
"Please check again, Iīm sure you have a bed for me!"
Und siehe da, irgendwie ging doch etwas, war bloß mit ein bisschen Arbeit verbunden und noch nicht bezugsfertig, aber wir wollten sowieso erst einmal auf Pirschfahrt!

Den Rest des Tages verbrachten wir also mit Pirschfahrten und im wahrsten Sinne des Wortes zwischen den Tieren. Nicht einmal in der Masai Mara reagiert das Wild so entspannt auf Fahrzeuge wie hier im Samburu Reservat. Wir genossen es mit abgestellten Motor zwischen Elefanten, Kaffernbüffeln und Antilopen zu stehen und die Tiere zum greifen nahe kommen zu lassen. Eine ganze Weile beobachten wir eine Elefantenkuh die unermüdlich versuchte ihr Kalb aus einer tiefen Pfütze zu locken und schließlich energisch ihren Rüssel einsetzte, um ihren übermütigen Sprössling zum weitergehen zu bewegen. Die für diese Region typischen Tierarten, wie Netzgiraffen, Gerenuks, Oryx Antilopen und die seltenen Grevyzebras sahen wir (bis auf die Grevys) an diesem Safaritag häufig. Gegen Abend spürten wir dann unseren ersten Löwen auf dieser Safari auf.

equus grevyi, Grevy Zebra
Samburu / Buffalo Springs Game Drive

litocranius wallri ,Giraffenhals Antilope, weiblich panthera leo, Samburu Löwe litocranius wallri ,Giraffenhals Antilope, männlich
giraffa camelopardis reticulata, Netzgiraffe oryx beisa, Beisa Oryx Game Drive
zwischen Elefanten
zwischen Elefanten zwischen Elefanten
zwischen Elefanten zwischen Elefanten
loxodonta africana, Elefant syncerus caffer, Kaffernbüffel
pathera leo, Löwe

loxodonta africana, Elefanten loxodonta africana, Elefanten
giraffa camelopardis reticulata, Netzgiraffen oryx beisa, Beisa Oryx
Nach dem Dinner nutzten wir die weitläufige Anlage für einen Spaziergang bis in die letzten Winkel der Anlage und mussten leider feststellen, dass sie nun fast vollständig eingezäunt war. Abgesehen vom Tarhi Camp im Tsavo Ost, hatte ich in keiner Lodge in Kenya bessere Wildbeobachtung zu Fuß gehabt, als hier in der Samburu Game Lodge. Bei den vergangenen Besuchen waren mir Elefanten, Kaffernbüffel, ein Großer Kudu und sogar ein junger Leopard auf meinen Pirschgängen abends im Camp begegnet!

Was der Campmanager als großen Fortschritt bezeichnete, machte für uns das Camp eher unattraktiv! Aber leider war es wohl die einzige Möglichkeit, schlecht informierte Pauschaltouristen am Leben zu erhalten!

Schon damals waren an der Samburu Game Lodge große Nilkrokodile zu beobachten gewesen und daran hatte sich auch nichts geändert, die Tiere, die hier allabendlich kleinere Leckereinen erhalten kommen mit Einbruch der Dämmerung aus dem River und liegen zum anfassen nahe, nur durch einen flachen Zaun am weiterkriechen gehindert.

crocodylus niloticus, Nilkrokodil
Viel mehr als die Nilkrokodile zog an diesem Abend eine Streifenhyäne am gegenüberliegenden Ufer seine Aufmerksamkeit auf uns, ein Tier welches wir schon lange nicht mehr beobachten konnten. Und so hatte auch dieser Tag wieder etwas ganz besonderes!

Am nächsten Morgen frage ich nach ob wir nicht auf die andere Seite des Camps umziehen könnten. Bei unserem abendlichen Spazier- und Pirschgang hatte ich bemerkt, dass einige nette neue Bandas auf der anderen Seite des Camps entstanden waren. Nach ein wenig hin und her, der Manager hatte sich an mich als häufigen Gast vergangener Zeiten erinnert, bekamen wir ein neues Zimmer auf der anderen Seite, konnten es aber erst nach dem Lunch besichtigen und einziehen.

Wir verbrachten den ganzen Tag draußen im Bush, wobei wir uns haupsächlich auf die Suche nach Leoparden konzentrierten! Aber auch an diesem Tag, fanden wir keine Spur von den gefleckten Raubkatzen. Stattdessen entdecken wir, eine für uns, neue Webervogelart und beobachten mehrfach große Horden von Pavianen und wo die relaxt umherstolzierten, da sind bekanntlich keine Leoparden.

Als wir nach dem Lunch unser neues Zimmer bezogen, staunten wir nicht schlecht. Wir hatten eine Suite direkt am Ufer des Ewaso Ngiro, großes Wohn- Schlafzimmer, Ankleideraum, riesiges Badezimmer mit Badewanne (braucht man unbedingt auf Safari;-)) und jeweils eine Terrasse vorne und eine Hinten am Haus!
Was macht man mit soviel ungewohnten Luxus auf Safari, fragte ich mich als ich schon gegen Mittag den ersten Whiskey als Belohnung für den Löwen vom Vortag (Danke Charlotte und Wolfgang für dieses schöne Ritual!) auf meiner Terrasse trank. Die Antwort lieferte mir der Himmel. Wie von Geisterhand gezogen tauchten urplötzlich dunkle Wolken am Himmel auf, der Wind nahm zu und dann fing es auch schon an zu regnen.
Es stürmte kurzzeitig so heftig, dass ich das Nilkrokodil am gegenüberliegenden Ufer nicht mehr erkennen konnte.
"Hättest du jetzt lieber in deinem Zelt gelegen" fragte Petra mich zufrieden lächelnd.
"Geht schon!" sagte ich und füllte mein Glas erneut.

Wilderness Samburu Game Lodge, Samburu Reservat
Wilderness Samburu Game Lodge, Samburu Reservat

Wilderness Samburu Game Lodge, Samburu Reservat
Wilderness Samburu Game Lodge, Samburu Reservat
Wilderness Samburu Game Lodge, Samburu Reservat
Wilderness Samburu Game Lodge, Samburu Reservat
Wilderness Samburu Game Lodge, Samburu Reservat
Wilderness Samburu Game Lodge, Samburu Reservat
Wilderness Samburu Game Lodge, Samburu Reservat
Ewaso Ngiro River, Samburu Reservat crocodylus niloticus, Nilkrodil
Kurz nach 17.00 Uhr war der Regenspuk vorbei, der Himmel wieder tiefblau, keine Wolke am Himmel und es gab kaum noch Wind. Und so fuhren wir wieder hinaus in den trockenen Bush des Samburu Reservates, wo wir schon nach kurzer Zeit ein Löwen Pärchen entdeckten.
Kurz nach Einbruch der Dämmerung saßen wir auf unserer Terrasse als ich plötzlich auf der gegenüberliegenden Uferseite die Warnrufe einiger Paviane hörte. Aufgeregt stießen die Tiere einige grollende Rufe aus, und man hört sie durch die Äste springen.
"Chui!" sage ich zu Petra.
"Hier von unserer Terrasse aus werden wir das Tier nicht sehen können, hier ist es zu dunkel"!
Eilig begaben wir uns also zu der großen runden Terrasse, die in den Fluss hineinragte und auf deren gegenüberliegenden Seite auf einem Baum häufig ein Köder für den Leoparden angebracht wird. Kaum hatten wir die Terrasse erreicht, erschien auch schon der Leopard, ein prächtiges Männchen, wie ich im Scheinwerferlicht meines großen Handspots erkennen konnte. Fast eine Stunde hielt sich das Tier an dem Köder und auf dem Baum auf, ehe es wieder im Bush und in der Dunkelheit verschwand. Schade, wir wären ihm gerne am Tage begegnet!



Wieder brachen wir auf, um mit Beginn des Tageslichtes eine der großen gefleckten Katzen auf zu spüren. Durch die Regenfälle der vergangenen Tage fingen viele der sonst trockenen Büsche an auszutreiben, es war nicht leicht in dem grau - braun mit grünen Flächen durchsetztem Gebiet etwas zu finden, was nicht gefunden werden wollte. Immer wieder hatte ich andere Fahrer nach Leoparden Sichtungen gefragt, aber in den letzten vier Tagen hatte keiner mehr eine der Katzen beobachtet. Vor fünf Tagen, ja, da lag einer direkt an der Kreuzung im Baum, fast den ganzen Tag.
Morgens wenn die gefleckten Jäger auf Beutezug sind und jagen, ist eigentlich die beste Zeit eines der Tiere auf zu spüren und in den vergangenen Jahren hatte es auch immer geklappt.
Immer wieder stoppten wir mit dem Wagen und ich suche mit dem Fernglas die Umgebung ab und plötzlich, ich konnte es kaum glauben, erspähte ich zwei Ohrspitzen zwischen den Büschen! Allerdings hatte ich solche Ohren vorher noch nie gesehen, zwei braun-schwarze Ohren mit einem schwarzen Haarbüschel, bewegten sich lauschend hin und her.
"Caracal!" rief ich aufgeregt.
Ich versuchte mit dem Wagen in eine bessere Position zu kommen und kroch dann aus meiner Dachluke nach oben.
"Kamera!" hauchte ich Petra zu und noch ehe die scheue Wildkatze im dichten Unterholz verschwinden konnte gelangen mir 3, 4 gute Aufnahmen. Vielleicht 5 Minuten hatten wir das Vergnügen eine der seltensten Katzen Ostafrikas zu sehen und auf ihrem Beutezug zu beobachten. Die ersten 5 Minuten in 17 Jahren. Vergeblich warteten wir noch eine Weile, aber das scheue Tier zeigte sch leider kein zweites Mal.
Ein Caracal, für uns ganz alleine, zufrieden setzten wir unsere Pirschfahrt fort.

Carcal, (felis caracal)
Carcal, (felis caracal)
Carcal, (felis caracal)
Carcal, (felis caracal)


Für diese Begegnung hätten wir gerne in Kauf genommen keinen Leoparden mehr auf dieser Safari zu Gesicht zu bekommen. Umso erfreuter waren wir, als uns ein Franzose, der ebenfalls als Selbsfahrer unterwegs war, auf eine Akazie aufmerksam machte, in der ein Kadaver eines Impala Bockes hing.

Sofort inspizierten wir die Stelle genauer, fanden zwar den Kadaver im Baum, aber weit und breit keine weitere Spur eines Leoparden. Ein paar Stunden später wussten wir warum kein Leopard mehr in der Nähe gewesen war. Löwen!
Ein Löwenweibchen hatte sich die Reste der Leopardenbeute aus dem Baum geholt, bei der Kletteraktion hatte sie sich einen Akaziendorn in die linke Pranke getrieben und so hinkte sie bei unserer Ankunft davon. Im Laufe des Tages konnten wir dann noch weitere Löwen in dem Gebiet beobachten und sahen abends stundenlang zu wie ein älteres Löwenmännchen, unwürdig das alte Impalafell durchkaute und die letzten Knochen und Hörner abnagte.

Leoparden Kill panthera leo, Löwe
panthera leo, Löwe panthera leo, Löwe
Insgesamt verbrachten wir wieder 4 unvergessliche Tage im trockenen Samburu Gebiet, beobachteten jeden Tag Löwen und Krokodile, standen stundenlang zwischen Elefantenfamilien, beobachteten wie die hier roten Riesen durch den braunen Fluß zogen, entdeckten und fotografierten eine ganze Reihe verschiedner Vögel, erfreuten uns an den imposanten Netzgiraffen und sahen unseren ersten Caracal! Fast genauso schön wie die Beobachtung des Caracal, war für uns die Enteckung von 2 Grvey Zebra Stuten mit Fohlen. Und so hoffen wir, dass irgendwann auch wieder in diesen Reservaten große Herden dieser beindruckenden Tiere umherstreifen.



Wir waren zufrieden mit unseren Erlebnissen, zogen nur widerwillig aus dem herrlichen Zimmer aus und steuerten voller Tatendrang in Richtung Aberdares. Der Land Cruiser lief wieder zuverlässig und der abenteuerliche Zusammenbruch und die glückliche Rettung waren erst einmal verdrängt. Unterwegs überlegten wir uns, ob wir eine Übernachtung in Sweetwaters einschieben sollten und bogen deshalb in Nanyuki in Richtung des privaten Reservates ab. Zwar war es schon seit ein paar Stunden dicht bewölkt über uns, aber noch war es trocken. Kaum hatten wir allerdings das hintere Gate des Reservates erreicht, brach ein Wolkenbruch los und am Gate erfuhr ich wieder ein mal:
"fully booked!"
langsam machte ich mir ernsthaft sorgen um eine Unterkunft in der Masai Mara, aber nun brauchten wir ja erst einmal etwas für die kommenden Tage.
Via Mobilphone nahm ich Kontakt zu Petra Almendinger von der Sandai Farm auf, wir standen seit längerem in E-Mail Kontakt und ich hatte uns ohne feste Daten für diesen Herbst angekündigt
"Hast du was für uns frei?"
"Ja, passt gut, wann kommt ihr?"
"Gleich!"
"Wie gleich?"
Nach einem kurzen Telefonat, in dem Petra Almendinger mir auch den kürzesten Weg zu ihrer Farm, vorbei am Aberdares Country Club, erklärte, war also klar; die nächsten Tage verbringen wir auf Sandai am Rande der Aberdare und zu Füßen des Mount Kenya.



20 Tage mit dem eigenen Toyota Landcruiser durch die Wildnis
Die Tage auf Sandai

(hier gehts weiter Teil III, Sandai, Solio und Crater Lake!)