Ein Reisebericht von:
Text Jörg Reinecke; Fotos Petra und Jörg Reinecke (digital)
Impressionen einer Safari
auf Zanzibar
- Tanzania, Zanzibar - Februar 2012 -
Feuchte angenehm warme Luft wehte uns entgegen. Petra und ich lächelten uns an,
dann schritten wir die kleine Gangway hinunter und betraten zum ersten Mal in unserem leben das Sagen umwogene Zanzibar!
Erstaunt stellten wir fest, dass der kleine Flughafen von Zanzibar, so gar nichts mit dem gut organisiertem Tanzania auf
dem Festland gemeinsam hatte. Alles sah eher nach dem Chaos der kenyanischen Flughäfen aus.
Nach einem Rundblick und einer kurzen Orientierung schlenderten wir auf das kleine, unscheinbare, halboffene Flughafengebäude
zu. Ein korpulenter und deutlich schwitzender Beamter der Einwanderungsbehörde versuchte die wenigen Reisenden anstatt auf die
vorhandenen vier Schalter zu verteilen, alle in die linke Ecke der Schaltehalle zu dirigieren. Wir entschieden uns für die
rechte Ecke.
Ich blickte mich irritiert um.
"Was suchst du?" fragte Petra mich,
"Die Leute vom Gesundheitsministerium" entgegnete ich, entdeckte aber niemanden!
In jedem Reiseführer und im gesamten Internet wurde immer wieder darauf hingewiesen, wie akribisch in Tansania und speziell
auf Zanzibar, der Impfpass kontrolliert würde. Nun war jedenfalls niemand zu sehen, der sich für die gelben Pässe
interessierte!
Zielstrebig steuerten wir auf den freien Schalter zu und ich schob dem Beamten unsere Reisepässe unter der lange nicht geputzten
Glasscheibe hindurch:
"Arrival card"! war die kurze wenig freundliche Begrüßung!
Etwas verwundert aber ohne zu reagieren und ohne Worte schob ich als nächstes die 100,- US $ für unsere beiden Visa durch die
kleine Öffnung unter dem Fenster. Der Schein verschwand irgendwo auf dem Schreibtisch und ohne Probleme waren unsere Visa
eingestempelt und unterschrieben.
Nach wenigen Minuten hatte ich unsere Pässe inkl. Visum wieder in der Hand.
"mzuri?" fragte ich knapp um sicher zu gehen das alles ok ist. Der Beamte nickte kurz und wortlos und schon waren wir
offiziell in Tanzania eingereist!
Das nächste Ziel war ein kleiner Wechselschalter auf dem Flughafen. Auf einer handgeschriebene Tafel stand eine Rate von
1890,- Tanzania Schilling für einen Euro.
"What did you give me for Euro?" fragte ich die ältere Dame hinter dem Schalter.
"1900!" war die Antwort. Ich schüttelte wortlos den Kopf und drehte mich zum nächstem Schalter
"1950!" erklang es hinter der Glasscheibe.
Ich schüttelte wieder den Kopf und entgegnete:
"2000 and I change 100 Euro!"
"Give money" antwortete die Frau kurz und wechselte den 100 Euro Schein in verschiedene Scheine Tanzania Schillinge!
"Das klappt gut!" freute ich mich, als wir vor das Flughafengebäude in eine Meute von Taxifahrern und Abholern, allesamt mit
Papp- und Holzschildern bewaffnet, traten.
"Taxi, taxi, you need taxi?" erklang es von allen Seiten.
"Hotel Kiponda!" sagte ich knapp einem Fahrer in der ersten Reihe. Er nickte.
"Your price?"
"10 US$ Sir"
Bei diesen Preis gab es keinen Grund für weitere Verhandlungen.
"Ok lets go!" stimmte ich zu und wir begaben uns zu seinem Fahrzeug. Obwohl der Wagen recht klein war, waren Zargesbox,
Seesack und Fototaschen schnell verstaut und nur 30 Minuten nach der Landung auf dem Kisauni Airport, waren wir auf dem Weg in
die Altstadt Zanzibar Citys.
Das Straßenbild war irgendwie vertraut und ähnelte dem von Mombasa, auch wenn hier auf Zanzibar alles noch ein wenig ruhiger
zuging und die Zeit noch weniger Bedeutung hatte als auf Afrikas Festland. Anfangs auf breiter Straße fahrend,
waren wir nach nur 10 Minuten am Rande von Stone Town (Altstadt) und folgten zuerst einer Straße in Ufernähe, ehe wir begannen
uns mit dem Wagen durch kleine Gassen zu schlängelten.

Kiponda Hotel entdeckte ich erstaunt ein Hotelschild über einer schön geschnitzten, dunklen Zanzibar Holztür. Rechts und links
neben der Tür wuchsen in riesigen roten Tonkrügen zwei Palmen und die Tür selber war mit großen glänzenden Messingbeschlägen
verziert.
"Das sieht besser aus als ich gedacht hätte!" erklärte ich Petra.
"It´s not your hotel!" zerstörte der Taxifahrer meine Illusion und bog in eine weitere noch
kleinere Gasse ein.
"From here we have to walk, the road is to small!" erklärte er uns, dass es mit dem Wagen nicht weiterging.
"Ok!" kam es von Petra beim Aussteigen.
Petra griff nach Hand- und Fototaschen und ich trug zusammen mit dem Taxifahrer die Box und den Seesack! Nach gut 200 Metern
hatten wir unser gebuchtes Kiponda Hotel erreicht!
Petras Blick war wenig begeistert und sehr sehr fragend.
"Wir fangen mal unten an und steigern uns dann langsam!" grinste ich sie an.
Ich hatte das Kiponda Hotel via Internet ausgesucht und reserviert. Grundsätzlich waren wir uns also bewusst, dass uns ein
sehr einfaches Hotel erwartete. Außerdem waren wir uns einig, dass wir in Stone Town nur ein sauberes Bett mit Moskitonetz und
ein eigenes Badezimmer brauchten.

Hotel Kiponda B&B - Stone Town

Nachdem wir unsere sieben Sachen provisorisch in das kleine Zimmer gelegt hatten, suchten wir erst einmal die
Dachterrasse auf der es das Frühstück geben sollte auf.
"Passt doch!" sagte ich und versuchte über die rostigen Blechdächer der Altstadt einen Blick auf das Meer zu erhaschen.
"Ist schon ok, da haben wir schon schlechter gewohnt!" nickte Petra.
Wir machten uns etwas frisch, wechselten schnell die Kleidung, ergriffen eine Kamera mit Weitwinkel und machten uns auf den
Weg Stone Town zu entdecken!
Unser Weg führte uns durch enge Gassen, vorbei an kleinen Shops und entlang an offenbar planlos und wirr herabhängenden
Stromleitungen. Verschleierte Frauen und spielende Kinder begegneten uns zwischen baufällig wirkenden Gebäuden und vor
fantastisch verzierten Holztüren. Hier und da waren Gebäude renoviert und manchmal standen wir vor luxuriösen, orientalischen
Hotel Eingängen ehe wir wieder an einer modrig riechenden schmalen Gasse vorbei kamen. Manchmal sahen wir Ratten zwischen dem gelagerten
Hausmüll umherhuschten! Neben den typischen Zanzibar Holztüren, die ihren Ursprung in Indien und Arabien hatten fielen
besonders die hölzernen mit Schnitzereien verzierten Balkone in den engen Gassen auf.


Ich hatte das Gefühl, genau diesen Ort gesucht zu haben. Zanzibar, das war für mich das Bindeglied zwischen Indien und
Ostafrika. Vieles erinnerte mich an Old Delhi oder die Dörfer in Goa, die ich im vergangenen November besucht hatte, andere
Dinge waren wie in Mombasa in der Altstadt. Auch der arabische Einfluss war unverkennbar und auch wenn er aus dem Oman kam
ließ es Erinnerungen an Kairo oder Märkte auf dem Sinai, Tunesien oder Marokko wach werden!
Insgesamt blieben wir zwei Nächte in Stone Town, besichtigten einige Sehenswürdigkeiten und Musen, wie z.B. die alte Residenz
der letzten Sultane oder das "house of wonders",
genossen die Aussicht von verschiedenen Terrassen auf den Indischen Ozean (z.B. vom Africa House), erlebten zwei fantastische
Sonnenuntergänge und stürzten uns jeweils hinterher in das quirlige Leben auf dem Forodhani Platz. Auf dem Platz wurden
an jedem Tag nach Sonnenuntergang an unzähligen Ständen verschiedene Leckereien anboten. Besonders am Samstag Abend war der
Forodhani Park ein lohnenswertes Ziel. Das "Sauti za busara" Festival (http://www.busaramusic.org/festivals/2012/)
beschallte die ganze Szenerie mit authentischer afrikanischer Musik. Die alte Festung "Ngome Kongwe" war nicht nur eine gute
Kulisse für solche Festivals, sondern bot auch eine gute Akustik bis weit nach draußen.
Impressionen aus Stone Town - Foto Gallerie
Nach zwei unbeschwerten Tagen in Stone Town brachen wir mit einem geliehenen Suzuki auf, um den Rest der Insel zu erkunden.
In dem zuerst engen Straßengewirr fanden wir uns schnell zurecht und erreichten ohne Probleme den Stadtrand von Zanzibar Stadt.
Auf gut asphaltierter Straße ging es im gemütlichen Tempo zunächst in das Inselinnere, wo wir einen kleinen Abstecher auf die
Gewürzfarmen geplant hatten! Zwischendurch füllten wir den kleinen Tank des Minigeländewagen randvoll, was sich später als
eine mehr als gute Idee bewähren sollte.

Vorbei an Dörfern aus roten Lehmhütten und typischen Suaheli Häusern mit wundervoll geschnitzten Türen und Wellblechdächern,
schlängelte sich die Straße meist durch tiefes Grün. Unsere Route führte uns durch Kokospalmenwälder und Plantagen, immer
wieder überholten wir die halb offenen meist bunt verzierten Daladala, (halboffene mini Kleinlaster die als Sammeltaxis fahren)
und Ochsenkarren, die alle möglichen Waren oder Güter transportierten oder fuhren an, in bunte Tücher gehüllten Frauen vorbei
die gelber Wasserkanister oder Feuerholz auf dem Kopf trugen. Irgendwann wurde das Grün noch intensiver und am Fahrbahnrand
standen erste Schilder mit Hinweisen auf Gewürzfarmen.
Ich folgte kurzerhand einem Hinweisschild und kaum verlangsamten wir unsere Fahrt, rannte ein vermeintlicher Guide neben
unserem Auto her. Nach einer kurzen Verhandlung, stellten wir den Wagen im Schatten einiger Palmen ab und ließen uns von dem
gut gelaunten Zanzibari über eine kleine Farm führen.
Pfeffer, Vanille, Kardamon, Muskatnüsse, Kurkuma, Zimt und andere Gewürze glitten durch unsere Finger und auch wenn wir die
ein oder andere Pflanze aus Kenya kannten, erhielten wir eine Menge neuer Informationen und auch Inspirationen für unseren
Garten zu Hause in Deutschland und den im Boko Boko in Kenya.
Nachdem wir unsere privat Führung beendet hatten kauften wir dem Guide noch einige Gewürze ab und setzten dann unsere
gemütliche Fahrt in Richtung Norden fort. Je weiter wir nach Norden vordrangen, je karger wurde die
Landschaft. Gegen Mittag Erreichten wir Nungwi. Unser erstes Ziel war das Ras Nungwi Hotel, an der äußersten nördlichen Spitze
der Insel. Auf unerwartet holpriger Piste, vorbei an einigen anderen Hotels und Resorts fuhren wir bis zum Ras Nungwi Hotel.
Die Bilder im Internet hatten nicht zuviel versprochen, der Blick über schroffe, mit Palmen bestandene Felsen und über den
dunkelblauen Pool bis in das türkis leuchtende Wasser des Indischen Ozean war atemberaubend. Der Preis für eine Übernachtung
inkl. Frühstück allerdings auch.
Wir machten einige Fotos und wandten uns dann unserem eigentlichen Ziel dem nahen Kendwa Beach zu. Unsere 14 Tage auf Zanzibar
hatte ich via Internet geplant und an einigen Orten schon Unterkünfte reservieren lassen, hier oben im Norden hatten wir
allerdings die Absicht zu improvisieren und die Auswahl vor Ort zu treffen. Gerne wollten wir drei Nächte am Kendwa Beach
verbringen, dem einzigen Strand an Zanzibars Küste, an dem die Gezeiten ein permanentes Baden im warmen Indischen Ozean
erlaubten.
Auch um zum Strand von Kendwa zu gelangen mussten wir eine holprige Pisten benutzen. Im Gegensatz zum Inselinneren und dem
Süden, bot die Landschaft hier ein eher tristes Bild, einzig einige Baobab zogen unsere Aufmerksamkeit auf sich.
Neben einigen anderen, teilweise neuen Anlagen boten sich am Kendwa Beach das Kendwa Rocks und die Sunset Bungalow
für
Übernachtungen direkt am Strand an. Beide Unterkünfte bieten verschiedene Hütten oder Zimmer mit Blick auf Strand und Meer an
und beide Anlagen waren, wer hätte das gedacht, ausgebucht. Zumindest war am Tage unserer Ankunft nicht das kleinste Zimmer zu
bekommen. Ehe wir weiter fuhren um in Nungwi nach einer Bleibe zu suchen, reservierte ich vorsichtshalber ein schönes großes und
neues Zimmer im Sunset Bungalows für die darauf folgenden 2 Nächte.
Wir versuchten unser Glück in dem kleinen Ort Nungwi und fuhren mit dem Suzuki durch ein wirres Pistennetz aus Bush- und
Sandpisten, teilweise mitten durch den Ort, teilweise vorbei an Palmen und kleinen privaten Grundstücken. Hinweisschilder
zeigten in verschiedene Richtungen und Pisten führten im Kreis oder endeten im Nichts.
"Hier waren wir doch eben schon!" war ein häufiger Satz. Genauso wie man uns immer wieder erklärte:
"Sorry, today we are fully booked!"
"Egal, wo wir schlafen, um 15.30 Uhr will ich im Indischen Ozean sein!" erklärte ich Petra etwas genervt!
Nachdem wir verschiedene Unterkünfte verschiedener Preiskategorien vergeblich angefahren hatten, traf ich eine Entscheidung!
"Dann eben doch Ras Nungwi!" verkündete ich.
"Echt?" fragte Petra, aber an ihrem freudigen grinsen konnte ich sofort sehen, das die Diskussion damit beendet war!
Auch wenn damit aus der lansamen Steigerung der Unterkünfte ein rasanter Sprung geworden war!
Nachdem wir einen netten Gartenbungalow im Ras Nungwi Hotel bezogen hatten, tauchte ich pünktlich um 15.25 Uhr im Indischen
Ozean unter! Den Rest des Tages verbrachten wir mit süßem Nichtstun! Nach einem übersichtlichen aber sehr leckerem Dreigänge
Menü verbrachten wir die Nacht in einem typischem, sehr großem, Suaheli Bett.
Irgendwann in der Nacht hörten wir die vertrauten Rufe von Bushbabys und freuten uns auf weitere Entdeckungen und Begegnungen
auf der Insel!

Hotel Ras Nungwi


Nach dem Frühstück wechselten wir die wenigen Kilometer rüber von der Nordspitze in den Nordwesten. In Kendwa zogen wir dann
in das reservierte Zimmer in den Sunset Bungalows!
Von unserem Balkon hatten wir einen herrlichen Blick über die noch jungen Palmen und den weißen, puderigen Strand bis auf den
Indischen Ozean. Schuhe waren für die nächsten 2 Tage unnötig und so genossen wir entspannte Tage mit ausgedehnten
Strandspaziergängen, Schwimmen, Schnorcheln und einfach nur faul in der Sonne liegen. Der weiße Strand, mit wenigen locker
verteilten Sonnenschirmen aus Holz und Makuti, die einfachen Suaheliliegen und der himmelblaue Ozean war hierfür die perfekte
Kulisse und nach meiner dreiwöchigen Safari im Januar hatte ich das Gefühl mir diesen Ort verdient zu haben!
Die Strandbars vom Kendwa Rocks und Sunset boten von Frühstück bis Dinner alles was man brauchte und die guten leckeren
Smmothie löschten den immer wieder kehrenden Durst!
Wir freuten uns über die verschiedenen Nacht- und Taggeckos auf unserem Balkon, von dem aus wir jeden Abend den
Sonnenuntergang beobachten konnten!

Kendwa Beach


Absolut entspannt fuhren wir nach zwei Tagen weiter. Der Küste folgend war unser nächstes Ziel der kleine Ort Paye, an der
Ostküste Zanzibars. Im Nachhinein bereuten wir diese Strecke gewählt zu haben, anstatt durch die Inselmitte zu fahren. Die
Landschaft entlang der Küstenroute war eher
langweilig und nur die Palmenhaine und hin und wieder ein Blick auf den hellblauen Indischen Ozean entschädigten für die Wahl
der Strecke. Die meisten Dörfer bestanden aus grauen Korallensteinhütten, die sich mit moderneren ebenfalls grauen
Betonsteinhäusern mit rostigen Blechdächern abwechselten. Da auch der Boden aus grauem Staub und hellem Sand bestand, sprach
uns diese Gegend wenig an, daran konnten auch die Kokospalmen nichts ändern und die schwarz gekleideten, oft verschleierten
Frauen verstärkten den eher tristen Eindruck nur! Erst als unsere Route wieder in das Inselinnere führte, fuhren wir wieder
vorbei an roter Erde und an roten Lehmhütten zwischen dichten üppigem Grün. Große Bananenbäume standen dich am Starßenrand
und auf den Feldern und in den Dörfern waren auch wieder in bunte Tücher gehüllte Suaheli Frauen zu sehen. Besonders die
Gegend um den Jozani Forst, den wir auf
unserer Route kurz durchquerten, gefiel uns gut, hier war die Vegetation besonders dicht und üppig.
Kurz vor Paye vielen dann besonders die vielen Brotpalmfarne (Encephalartos
hildebrandtii) im Gestrüpp und Buschwerk auf.
Der Ort Paye selber war genauso unscheinbar wie die anderen Küstendörfer, überraschte uns allerdings mit zwei gar nicht mal so
schlecht sortierten Supermärkten.

Unsere reservierte Unterkunft musste in Strandnähe liegen und so befuhren mit unserem kleinen Suzuki die sandigen Pisten, die
sich zwischen Wohnhütten und Verkaufsbuden hindurch schlängelten und suchten die Zuffahrt.
"Ups, was ist das?" bemerkte Petra etwas erschrocken, als wir vor einem schwarzen Schild hielten, auf dem ein Totenkopf
abgebildet war.
"Äh, Paye by night!" antwortete ich und ergänzte:
"unser Zuhause, für die nächsten fünf Nächte!"
"na prima! Das Schild sieht ja einladend aus" war Petras wenig begeisterte Reaktion.
Auch ich war mir plötzlich nicht mehr sicher, ob es eine gute Idee war diese Unterkunft reserviert zu haben.
Nachdem wir, wenig später, die Zufahrt
zum Gästehaus "Paye by night!" gefunden hatten und unseren Suzuki unter Palmen auf dem Parkplatz abgestellt hatten, betraten
wir erstaunt eine üppig grüne kleine Anlage. Ein großer neuer Pool und einer erhöhten Aussichtsterrasse mit Blick auf
den Indischen Ozean, ließen den Totenkopf vergessen. Die Bar wirkte auf den ersten Blick zwar etwas düster, hatte aber durchaus
auch ihren Charme. Sofort fielen
uns die originellen afrikanischen Wandmalereien und die Liebe zum Detail in der Anlage auf. Auch wenn der Garten nicht mit
dem Boko Boko in Kenya mithalten konnte, so war er doch tropisch bepflanzt und rot blühende Flammbäume und die weißen
duftenden Blüten der Frangipani Bäume erinnerten uns an "zu hause".
Nachdem wir dann unseren sogenannten Dschungelbungalow betreten hatten, hatte zumindest ich, auch schon alle Bedenken
vergessen! Zwar hatte der Bungalow wenig mit Dschungel zu tun, aber er war mit seinen zwei Schlafzimmern, die auf zwei Etagen
verteilt waren und mit dem hölzernen Balkon, genau das was wir gesucht hatten. Es war einfach nur gemütlich und
trotzdem sehr geräumig für uns zwei! Von dem kleinen Balkon blickten wir in die Baumkronen und konnten uns herrlich
zurückziehen.
Bis zum Strand waren es nur 50 Meter und so konnten wir auch hier die meiste Zeit barfuss laufen! Nach dem Einzug in den
Bungalow, verbrachten wir den Rest des Tages am endlos langem Beach und im Indischen Ozean! Den Sonnenuntergang genossen wir
auf unserem Balkon und beobachteten wie der rote Feuerball hinter Makutidächern und Palmen verschwand. Zum Schlafen wählten
wir das obere Schlafzimmer, über dem ein Moskitonetz wie ein Igluzelt gespannt war.

Paye by night
|
|

Nach einem guten Frühstück fuhren wir am nächsten Morgen los um eines meiner beiden Urlaubsziele zu verwirklichen. Wir machten
uns auf die Pirsch nach Piliocolobus kirkii, dem Sansibar-Stummelaffen. Einer Art aus der Gattung der Roten Stummelaffen, die
es nur noch hier auf Zanzibar gab. Der Jozani Chwaka Bay National Park war hierfür die beste Adresse.
Zwar versuchen die Zanzibari hartnäckig das Gerücht aufrecht zu erhalten, dass es im Jozani Urwald noch Leoparden geben soll,
aber so wirklich glaubt keiner mehr daran und nachdem 1990 ein Schutzprogramm für gescheitert erklärt wurde, ist der Zanzibar
Leopard seit Anfang 2012 offiziell Ausgestorben! Andere Großwild Arten die dem Menschen gefährlich werden konnten gab es schon
lange nicht mehr und so kann man den 5000 Hektar großen National Park zu Fuß, am besten mit einem Führer erkunden.

Dort wo die Asphaltstraße den Park an seiner Nordwest Spitze durchschneidet, ist auch das Gate mit einem Informationsbanda zu
finden. Hier bezahlt man die National Park Gebühren und bekommt einen Guide zugeteilt. Da es uns tatsächlich in erster Linie
um Bilder von den Red Colobus Monkeys, wie die Affen im englischen heißen, ging, verzichteten wir auf einen Marsch durch die
Mangroven. Wir konzentrierten uns auf den unerwartet üppigen und dichten Urwald, von dem ich mir insgeheim noch die Sichtung
von Bushschweinen und Duikern erhoffte. Unsere Fusspirsch ging auf schmalen Pfaden durch dichtes Unterholz und nach ca. einer
Stunde war ich froh einen Führer dabei zu haben. Das dichte Blätterdach über uns und die üppige grüne Vegetation machten eine
Orientierung fast unmöglich. Teakholzbäume, Öl- und Kokospalmen, Baumfarne und kleine Farngewächse und vor allem Stechpalmen
bestimmten das Bild. Moose und Flechten sowie Lianen und Orchideen verstärkten das Gefühl tief im Urwald zu sein und die
feuchtwarme, leicht modrige Luft tat ein Übriges.
Die Tierwelt allerdings machte sich recht rar, zwar hörten wir in der Ferne den nur auf Zanzibar vorkommenden Turako (Tauraco
fischerii zanzibaricus) aber zu sehen gab es eher wenig. Einzig Weißkehlmeerkatzen waren immer wieder auszumachen. Diese
Unterart der Diademmeerkatzen bildet auf Zanzibar ebenfalls eine eigene Unterart, die Sansibar-Diademmeerkatze (Cercopithecus
mitis albogularis)! Ansonsten entdeckten wir an den Pflanzen Schnecken und verschiedene Schmetterlinge sowie Käfer und am Boden
erspähten wir kleine Frösche und Skinke die zwischen faulendem Laub und Baumstümpfen umherkrochen.

Jozani Chwaka Bay National Park

Plötzlich fielen mir kleine rattengroße schwarze Säuger auf, die pfeilschnell durch das Unterholz huschten. Sie sprangen eher,
als das sie liefen.
"Elephant shrew!" raunte mir der Führer zu. Petra blickte mich fragend an.
"Rüsselmäuse!" entgegnete ich begeistert und erstaunt zu gleich. Ich hatte die Tiere noch nie vorher gesehen und war wirklich
erstaunt über die Größe der gut 25 cm langen dunklen Tiere.
Ihre fast 10 cm lange Nase war ständig in Bewegung, wenn sie im Laub nach etwas fressbaren suchten und beim kleinsten
Anzeichen einer Gefahr sprinteten sie davon. Nach fast einer Stunde und unzähligen Anpirschversuchen gaben wir vorerst auf. Auf
meinen Fotos waren nur verwischte Phantome zu erkennen.

Noch während ich überlegte, wie ich diese flinken Tiere im Bild
festhalten konnte, wurden wir von einer Horde Affen überrascht. Wie aus dem Nichts tauchten plötzlich 15 bis 20 Rote
Colobusaffen auf, zuerst waren sie oben in den Bäumen, wo sie sich von Ast zu Ast hangelten und zwischendurch immer wieder an
frischem Laub knabberten. Nach und nach kamen immer mehr Affen auf den Boden. Kleine und große Tiere umringten uns und ließen
sich nicht im Geringsten von uns stören. Mütter trugen ihre Jungen unter dem Bauch oder auf dem Rücken, Halbstarke
erkletterten die umstehenden Palmen und ein von seiner Mutter abgesetzter, ganz kleiner junger Stummelaffe schaute immer
wieder neugierig hinter einem Baumstumpf hervor. Die Affenbande war so übermütig und vertraut, dass mir eines der
Tiere, während ich versuchte seine Artgenossen zu fotografieren, zwischen den Beinen hindurch schlüpfte, ehe es im Dickicht
verschwand.
"Mission erfüllt!" schaltete ich meine Kamera aus und beobachten, wie die Gruppe der Zanzibar Stummelaffen (Piliocolobus
kirkii) im Urwald verschwand.
"Aber bitte jetzt nicht wieder Rüsselmäuse!" meinte Petra und blickte an ihren von Zweigen und Stechpalmen zerkratzen Beinen
hinunter.
"Ne!" erwiderte ich
"Für heute ist es gut! Mich haben die Moskitos und die Stechpalmen auch ganz gut zugerichtet! Jetzt ist erst mal Pause am
Beach!"
"Wie, richtig wie Urlaub?" grinste Petra.
"Jop, wie Urlaub!" erwiderte ich.

Zanzibar Stummelaffe (Piliocolobus kirkii)

Ich freute mich das wir die seltenen Stummelaffen so gut fotografieren konnten und so fuhren wir entspannt zurück an den
Strand von Paye, wo wir den Rest des Tages am Indischen Ozean verbrachten und uns auf die Exkursion am nächsten Tag freuten.
Neben dem Aufspüren der Sansibar Stummelaffen hatten wir uns vorgenommen endlich einmal brauchbare Aufnahmen von Delfinen zu
bekommen, am liebsten sowohl Über- als auch Unterwasser. Die beste Adresse auf Zanzibar für dieses Vorhaben war die Bucht von
Menai, welche man am einfachsten über den kleinen Fischerort Kizimbasi erreicht. Mit dem
Suzuki fuhren wir nach dem Frühstück in den Südwesten der Insel bis zum Ort Kizimbasi. Kaum hatten wir die Dorfgrenze erreicht
liefen auch schon die ersten Einheimischen neben dem Auto her und priesen ihre Boote an.
"Stop here!"
"Stop under this tree!" rief ein besonders hartnäckiger Läufer neben unserem Suzuki.
ich verlangsamte die Fahrt und fragte:
"what do you charge me for a private boat?"
"I give you my best price!" versuchte der Zanzibari in die Verhandlung einzusteigen.
Als ich mit dem Fahrzeug weiterrollte rief er:
"50 Dollar!" ich schüttelte den Kopf und fuhr langsam weiter,
"40 Dollar!" ich stoppte.
"30 Dollar!" versuchte ich den Preis zu drücken.
Es ging noch eine Weile hin und her und am, Ende einigten wir uns auf 30,- US$, wobei ich die 3,- US$ pro Person, die für
den Schutz der Delfine von der Regierung in einem kleinen Büro erhoben wurden, selber bezahlte.
Während Petra und ich unsere Taucherbrillen, Schnorchel und Kameras aus dem Auto luden, machte sich unser vermeintlicher
Kapitän auf den Weg Benzin für das Boot zu besorgen. Ein Umstand der auf Zanzibar gar nicht so einfach ist
Eigentlich gehen fast alle Dolphin Viewing Touren von Kizimbasi ab. Allerdings hatten wir nicht die Absicht in einer Dhau oder
einem kleinen Motorboot mit 10 - 20 anderen Leuten Jagd auf die Delfine zu machen, sondern wollten möglichst viel Zeit in Ruhe
mit oder bei den Meeressäugern verbringen. Das die preiswerte Anmietung eines Bootes nur für uns alleine so einfach war hatten
wir nicht erwartet. Wobei Einfach relativ war, insgesamt warteten wir fast eine Stunde auf Benzin für unser Boot.
Aber was ist schon Zeit in Afrika!
Außerdem hatten wir das Vergnügen, während wir warteten, knietief im himmelblauen Wasser des warmen Indischen Ozean zu stehen
und zwischen unseren Füßen Seesterne und kleine Muränen zu beobachten.
Als wir dann endlich mit dem Boot unterwegs waren, erfuhren wir von unseren beiden Begleitern, dass hier in der Bucht das ganze
Jahr über täglich Delfine anzutreffen sind und wir nun dort hin fuhren, wo die anderen Boote auch waren.
Ich überlegte kurz, ob wir unsere "eigenen" Delfine suchen wollten, zog dann aber doch die sicherere Variante vor.
Als wir uns den Delfinen näherten bot sich uns ein Bild wie in einigen Gebieten der Masai Mara bei einem Löwenrudel, nur das in diesem Fall
mehrere verschiedene Boote eine Gruppe von sieben Delfinen umkreiste. Diese allerdings störten sich nicht wirklich an den
Booten und den Menschen im Wasser. Immer wieder zogen sie ihre Bahnen, wobei sie sich manchmal entfernten, dann aber wieder
genau zwischen die Boote schwammen oder besser tauchten.
Nur mit Mühe konnte ich unseren Kapitän davon abhalten die Tiere mit dem Boot zu bedrängen, auch hatte er kein Verständnis,
dass wir nicht spontan ins Wasser sprangen um mit den Delfinen zu schwimmen.
Nach meinen Beobachtungen kreisten die Delfine immer in dem selben Gebiet, es machte also gar keinen Sinn ihnen mit dem Boot
zu folgen, wie es die meisten anderen Boote leider taten. Als die Delfine direkt auf unser Boot zu schwammen, ließ ich mich in
das Wasser gleiten und war mit wenigen Flossenschlägen genau vor ihnen. Als die Tiere kurz vor mir abtauchten
hatte ich 7 ausgewachsene Tümmler direkt unter mir und drei der Meeressäuger nur wenige Meter von mir entfernt zum Greifen nah.
Allerdings war das Wasser durch Delfine und Boote so aufgewühlt, dass die Sicht alles andere als brillant war. Der Indische
Ozean war hier nur gut 5 bis 10 Meter tief und unter uns wuchsen lange Fadenalgen.
"Come back on bord!" forderte mich der Kapitän auf,
"We have to follow them"
Ich reichte meine Schnorchelausrüstung nach oben an Bord und zog mich dann an der kleinen rostigen Leiter ebenfalls in das
Boot.
"Stop the engine!" bat ich unseren Kapitän und verstaute meine Schnorchelausrüstung in unserem mitgebrachten Wassersack. Petra
war noch im Wasser und wollte einfach ausharren bis die Tümmler zurück kamen. Lange mussten wir nicht warten und schon
umrundeten uns die Delfine wieder. Die Idee Unterwasseraufnahmen von den grauen Tieren zu machen hatten wir schnell aufgegeben,
das Wasser war einfach nicht klar genug. Trotzdem war Petra begeistert von jedem Zusammentreffen mit den Delfinen. Sie
beobachtete aus nächster Nähe, wie die Tiere miteinander spielten, sich gegenseitig umkreisten, kopfüber untertauchten oder
mit Schwung aus dem Wasser schossen.
Ich beschränkte mich auf das Fotografieren vom Boot aus, hoffte aber vergeblich auf einen spektakulären Sprung aus dem Wasser.
Nach gut zwei Stunden Aufenthalt hatten wir aber auch ohne springende Delfine super schöne Fotos und vor allem schöne
Erlebnisse mit den Tieren.
Die letzte halbe Stunde waren wir fast alleine mit den Tümmlern und unseren inzwischen schon etwas ungeduldigen Begleitern.
"We have to go back, because of petrol!" versuchte der Kapitän uns zur Umkehr zu überreden.
"The engine is not running?" gab ich erstaunt zurück und versuchte mir den Benzinverbrauch zu erklären.
"let us stay half an hour more, and than we go for snorkelling!" war mein Vorschlag zum weiteren Zeitgewinn.


Den anschließenden kurzen Stopp für einen Schnorchelgang über einem kleinen Riff brachen wir schnell ab. Zwar entdeckten wir
einige bunte tropische Fische im an dieser Stelle klaren Wasser, aber nach dem Schwimmen mit wilden Delfinen, erschienen uns
diese eher langweilig!
Zurück in Kizimbasi ermöglichte man uns in einer einfachen Dusche das Reinigen von Ausrüstung und Unterwasserkamera sowie ein
kurzes Abduschen. Anschließend fuhren wir in einer weiten Schleife den restlichen Süden der Insel erkundend zurück in Richtung
Paye.
Durch diesen Abstecher hatten wir nun tatsächlich fast alle Hauptstraßen der Insel befahren.
Nach dem Besuch bei den Delfinen benötigten wir eigentlich kein Fahrzeug mehr. Planmäßig wollten wir den Suzuki nach 6 Tagen
abholen lassen. Als wir allerdings herausfanden, das uns eine Taxifahrt bis zu unserem nächsten Ziel, der Fumba Beach Lodge,
zwischen 50,- und 100,- US$ kosten sollte, entschlossen wir uns den ans Herz gewachsenen Suzuki bis zur Ankunft in Fumba zu
behalten. Selbst inkl. Benzin waren die Kosten die gleichen!

Nach unseren zwei Exkursionen verbrachten wir die verbliebenen drei Tage in Paye mit ausgedehnten Strandspaziergängen, bei Tag
und auch bei Nacht. Bei Ebbe konnte man fast 2 Kilometer weit auf schneeweißem Sand in das Meer hineinlaufen. Hätten wir nicht
um diesen breiten Strand bei Gezeitenwechsel gewusst, hätten wir sicher an einen Zunami geglaubt.
Tag und Nacht konnte man die Frauen des Dorfes beobachten, wie sie weit ins Meer hinausgingen um Seetang zu ernten. Der
Seetang wurde zwischen hölzernen kleinen Pfählen und Seilen angebaut und war nur bei Ebbe zu sehen und zu Fuß zu erreichen.


Außerdem genossen wir die Morgende und auch die Abende auf unserem hölzernen Balkon, von hier oben konnten wir nicht nur die
ersten Sonnenstrahlen genießen, sondern auch den Sonnenuntergang verfolgen. Den abendlichen Sundowner mit dem dazugehörigen
Drink zelebrierten wir jeden Abend und freuten uns dabei über die Gesellschaft von Webervögeln, Eisvögeln und Flycatchern aber
auch über die allgegenwärtigen Indischen Krähen. Neben einigen Flughunden, waren zwei Ratten auf unserem Dach die einzigen
wilden Säugetiere die wir in Paye entdeckten.


Obwohl wir am Nachmittag kein Benzin an der Tankstelle erhalten hatten, entschlossen
wir uns kurz vor Einbruch der Dunkelheit einen weiteren Abstecher zum Jozani N.P. zu unternehmen. Auf der einen Seite hoffte
ich die Rüsselmäuse noch einmal wieder zu sehen, auf der anderen Seite hatten wir Chancen Bushschweine zu finden. Wir fuhren
mit dem Suzuki zum ausgeschilderten Restaurant am National Park, das das Restaurant gar nicht geöffnet war wussten wir vorher,
das man uns allerdings abends nicht mal in die Nähe des Parks lassen wollte hatten wir nicht erwartet.
Nachdem man uns wenig freundlich abgewiesen hatte, studierten wir die Landkarte und fanden eine Bushpiste die uns genau am
Rande
des National Parks bis in die Mangrovensümpfe bei Charawe führen sollte. Eine Interessante Strecke, auf der wir allerdings
kein Wild entdeckten und einzig wertvolles Benzin verfuhren.
Zurück in Paye fuhr ich wieder an der einzigen Tankstelle der Region vor.
"Maybe tomorrow!" winkte der Tankwart schon von weitem ab!
Wir hatten noch ca. 5 Liter im Tank und langsam wurde es knapp. Eigentlich hatten wir geplant ein weiteres Mal zu den Delfinen
zu fahren, aber die verbliebenen 5 Liter reichten kaum um nach Fumba bzw. bis nach Zanzibar Stadt zu kommen. Autofahren ist und
bleibt eben spannend in Ostafrika!
Als auch am dritten Tag nach dem ersten Tankversuch kein Benzin zur Verfügung stand, wurde es Zeit zu reagieren. Als
erstes versuchte ich Benzin an der Kiteschule an unserer Unterkunft zu bekommen. Da zur Kiteschule ein Motorboot gehörte malte
ich mir gute Chancen aus, leider vergeblich! Mein nächster Versuch war die Nachfrage an der Buccaneer Divinig Tauchschule in
der Nachbarschaft. Hier gab es zwar auch kein Benzin, aber man hatte eine Idee.
"Hakuna matata, there is petrol in the village!" teilte mir der hilfsbereite Tauchlehrer mit, mit dem ich einen Tag vorher
über gemeinsame Freunde in Kenya gesprochen hatte.
"He will find it for you!" zeigte er auf seinen Bootsmechaniker.
Zusammen mit dem Mechaniker zog ich sodann durch den Ort Paye. Als wir allerdings nach gut einer Stunde und mehreren
angelaufenen Adressen
noch nicht einen Tropfen Benzin im mitgenommenen Kanister hatten, meinte mein Begleiter:
"There is just one address which I know, but this is far away in the next village! Let me go by bike and get it for you!"
Ohne lange zu überlegen drückte ich ihm einige Tansania Shillinge in die Hand, vergewisserte mich noch kurz, dass er
tatsächlich mit dem Fahrrad und dem Kanister los fuhr und ging dann zurück zu unserem Bungalow!
Nach ca. 2 Stunden erschien der Mechaniker mit ca. 9 Liter Benzin im Kanister.
"Thats all what I can get!" erklärte er mir und drückte mir das Wechselgeld in die Hand.
Ich steckte ihm ein angemessenes Trinkgeld zu und dann füllten wir das Benzin mit Hilfe einer abgeschnittenen Flasche, welche
als Trichter diente, in den Suzuki.

Erleichtert genossen wir den letzten Tag in Paye. Am nächsten Morgen ging ich noch vor dem Frühstück zum Fahrzeug um den
kleinen Geländewagen zum Einladen umzuparken. Als ich zum Starten den Zündschlüssel umdrehte fühlte ich mich plötzlich wie in
meinem Landcruiser in Kenya, es klickte noch zweimal und dann geschah nichts mehr. Ungläubig kontrollierte ich alle Schalter,
nichts war an. Eigentlich konnte die Batterie nicht leer sein!
"Do you have a mechanik arround?" fragte ich vorsichtshalber in der Unterkunft, erntete allerdings nur desinteressiertes
Kopfschütteln.
Während ich im Wageninnerin verzweifelt nach dem Hebel zum öffnen der Motorhaube suchte fand sich dann doch ein vermeintlicher
Mechaniker ein. Ein Bootsmechaniker, aber immerhin mehr Mechaniker als ich (was allerdings auch nicht schwer ist)
"Did you know how to open the bonnet?" deutete ich fragend auf die Motorhaube! Selbstbewusst suchte mein Helfer an den Stellen
an denen üblicherweise der Hebel angebracht ist und an denen ich natürlich auch schon gesucht hatte. Kopfschüttelnd kam er mit
dem Oberkörper aus dem Auto zurück.
"Just wait!" forderte er mich auf zu warten,
Nach wenigen Minuten erschien er mit einem Taxifahrer,
"He has the same car, he knows!"
Mit nur einem Handgriff öffnete der Taxifahrer das Handschuhfach und öffnete mit dem darin versteckten Hebel die
Motorhaubenverriegelung!
Wer bitte versteckt so einen Hebel im Handschuhfach, ging es mir durch den Kopf!
Sicherlich ein Afrikaner, der in Japan Autos baut, antwortete ich mir wortlos selber!
Inzwischen hatte man schon eine übergroße Generatorbatterie herangeschleppt, meine Meinung, dass das Reinigen
der Batterieanschlüsse das einzig Notwendige war, wurde einfach ignoriert. Mittlerweile steckten schon drei heftig diskutierende Köpfe unter der
Motorhaube und irgendwie kam ich nicht mehr zu Wort. Mit Hilfe einer Rohrzange wurde die alte Batterie ausgebaut und die neue
angeschlossen.
"Start the car!" wurde ich aufgefordert, aber außer vielen Blitzen und zwei "Klicks!" passierte nichts.
"We have to clean the conection!"
versuchte ich es noch einmal und reichte mein Taschenmesser unter die Motorhaube. Die
Kontakte sahen aus als hätte man sie in Salz eingelegt und ich kannte dieses "matata" nur allzu gut aus Kenya.
Der nächste Versuch mit sauberen Kontakten führte dann auch gleich zum Erfolg!
Der Suzuki lief! Die Lust auf ein gemütliches Frühstück war mir allerdings vergangen.
Wir beluden den Wagen und fuhren in Richtung Stone Town bzw. Fumba.

Unterwegs fragte ich an jeder der wenigen Tankstellen nach Benzin aber an jeder Tankstelle wurden wir lächeln und
Kopfschüttelnd vertröstet:
" maybe tomorrow!"
In Zanzibar City standen lange Schlangen vor den Tankstellen, es war mittlerweile der vierte Tag ohne Benzinlieferung auf
Zanzibar. Erstaunlich war, wie viele Fahrzeuge trotzdem noch unterwegs waren. Haben die heimliche Lager, fragten wir uns?
Unserer Karte und ein Hinweisschild zeigten uns einen Weg direkt am Flughafengelände entlang, als ich allerdings ungläubig auf
die halb verschüttete Bushpiste starte, wurden wir von einem Zanzibari angesprochen:
"Can I help you?"
Natürlich konnte er helfen und wir empfanden es als sehr angenehm und wussten die Hilfe zu schätzen. Es war in den vergangenen
Tagen mehrfach passiert, das wir ohne danach zu Fragen Hilfe angeboten bekamen, eine Tatsache die die Freundlichkeit und
Hilfsbereitschaft der Insulaner unterstrich!
Nachdem wir die richtige Straße gefunden hatten, erreichten wir nach kurzer Fahrt den kleinen Ort Fumba und fragten uns dann
wieder zur natürlich nicht ausgeschilderten und versteckt zwischen Bush und Mangroven liegenden Fumba Beach Lodge durch!
Nach kurzer Besichtung war klar, die Fumba Beach Lodge war genau der richtige Ort um unseren zweiwöchigen Aufenthalt auf
Zanzibar zu beenden. Die Fumba Beach Lodge war genau das Bindeglied zwischen relaxen am Strand, Erholung im Bush und ein wenig
Tierbeobachtung.
Auch wenn der Strand nicht so weit und schneeweiß war wie an den anderen besuchten Orten, hier hatten wir eine kleine
Bucht mit weichem Sand unmittelbar vor unserer Terrasse und, da der Nachbarbungalow nicht belegt war, sogar für uns ganz alleine.
Petra betrachtete es als geradezu unverschämt, als an einem Tag ausgerechnet in "unserer" Bucht die Dhau der Tauchschule
direkt am Strand festmachte um beladen zu werden.

Fumba Beach Lodge

Zwischen den von Baobabs, Flammbäumen und anderen größeren tropischen Pflanzen umsäumten geräumigen Bungalows waren
verschiedene Echsen, Einsiedlerkrebse, Weißkehlmeerkatzen und, dass war für mich das Highlight, Rüsselmäuse zu beobachten.
Letztere beschäftigten mich in den vier Tagen an der Fumba Lodge oft stundenlang!
Obwohl das Wasser glasklar war, war ein erster Schnorchelausflug direkt vom Strand aus, wenig ergiebig. Aber einfach mal nur
so im Indischen Ozean herum zu dümpeln war auch mal ganz nett! Für die Wildbeobachtung hatte ich ja nun die Rüsselmäuse direkt
im Bush der Anlage. Allerdings waren die Tiere auch hier nicht ganz so einfach zu fotografieren, saßen aber schon mal
wesentlich offener als im Jozani Forest!

Da es bis um 11.00 Uhr ein leckeres und üppiges Frühstücksbuffet gab, hatten wir schnell einen entspannten Tagesablauf für die
letzten Tage auf Zanzibar gefunden. Kurz nachdem uns die aufgehende Sonne durch das Fenster geweckt hatte, öffneten wir die
große Schiebetür zu unserer Terrasse und genossen dann einen ersten Tee mit Blick auf "unsere" Bucht und den Indischen Ozean.
Dann ein erfrischendes Bad mit anschließendem Faulenzen in der Sonne. Irgendwann dann ein entspanntes Frühstück, meistens für
uns alleine, da die anderen Gäste schon gefrühstückt hatten. Nach dem Frühstück dann geduldiges Aufstöbern und Ansitzen um
Rüsselmäuse und andere Tiere zu Foto- und Videografieren.


Jeden Abend genossen wir einen herrlichen Sonnenuntergang, ehe wir die Ankunft der ersten Bushbabys abwarteten die tagsüber in
den riesigen Baobab Bäumen ruhten.
Obwohl wir schon völlig entspannt und rundherum zufrieden waren, bot man uns für die letzte Nacht ein Upgrade auf die Baobab
Suite an. Eigentlich waren wir zu faul um für eine Nacht umzuziehen, da man uns aber regelrecht anflehte in die Suite zu
ziehen, willigten wir ein und erlebten einen krönenden Abschluss unserer Reise.
Der mehr als geräumige Bungalow hatte ein offenes Badezimmer mit Dusche, Badewanne und WC und eine ebenso große hölzerne
Terrasse die sich sanft um einen gigantischen Baobab schmiegte. Das dichte tropische Grün erinnerte uns an das Boko Boko in
Kenya.
Für den Rest des Tages rührten wir uns nicht mehr vom Fleck, wir freuten uns über die Roten Bushhörnchen um uns herum, nutzten
die hölzerne Treppe um kurz im Indischen Ozean zu baden und erfreuten uns einfach nur am Luxus unseres Bungalows. Als uns in
den Abendstunden dann auch noch ein Bushbaby eine private Audienz gab, war unser Glück vollkommen.
Die Nacht verbrachten wir mit offener Terrassentür und lauschten den Bushbabys und dem Rauschen des Meeres, ehe wir früh
morgens (eher Nachts) abreisten.

Fumba Beach Lodge - Baobab Suite


Sicher ist Zanzibar nicht der Ort für spektakuläre Wildbeobachtung, sieht man einmal von den Delfinen ab, aber er hat uns viel
Kraft und Energie für kommende Abenteuer in Afrikas Wildnis gegeben und war außerdem mit Stummelaffen und Rüsselmäusen eine
echte Bereicherung mit neuen Tierarten für uns.
kwa heri Zanzibar tutaonana baadaye